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Archiv 2004

Interview mit Lithi von Suriya Project

Wer öfter oder auch nur gelegentlich thailändische Veranstaltungen besucht, hat sie bestimmt schon einmal gehört und gesehen. Suriya Project ist eine der beliebtesten Thai Popgruppen hier zu Lande. Mit ihrer Mischung verschiedener Thai Musikstile und westlicher Musik zählen sie regelmäßig zu den Hauptattraktionen thailändischer Feiern und haben bisher noch jeden Saal zum tanzen gebracht.

Lithi, du bist Bassist und Sänger bei Suriya Project, ein thailändischen Band in Deutschland. Seit wann gibt es eure Gruppe?

Uns gibt es seit etwa vier Jahren. Davor gab es eine andere Formation, die hieß "Champa", da haben schon die meisten von uns schon gespielt. Es gab damals in der Gruppe einige Differenzen so dass wir uns dann aufgelöst haben. Aber die meisten Mitglieder von "Champa" haben sich dann neu formiert und einige neue Leute sind noch dazu gekommen.

Wie habt ihr euch zusammengefunden?

Mein Schwager "Dondy" hatte die Band Champa seinerzeit neu gegründet, so etwa vor 10 Jahren. Man spielte auf thailändischen Festen, in Gelsenkirchen sind die recht oft aufgetreten. Die Idee war damals, die thailändische Popmusik dem deutschen Publikum nahe zu bringen. Es gibt ja hier in Deutschland nicht viele Bands, die thailändische Musik spielen. Man merkt das gerade bei den Deutschen, die zum ersten Mal auf ein Thai Fest kommen. Die sind erstmal verwundert, wie unsere Musik klingt. Ram Wong oder Lam, das ist unser Stil und Rhythmus. Nach und nach stellt man aber fest, dass die Leute mit dem Rhythmus mitgehen und mittanzen. Das ist für uns immer wieder ein positives Erlebnis.

Sind bei euch alle Thais oder sind auch Deutsche dabei?

Von Anfang an war Claus, der bei uns Gitarre spielt, dabei. Ihn kann man natürlich leicht auf der Bühne erkennen, er ist nicht zu übersehen. Aber ansonsten sind wir Thais und Laoten.

Laoten auch? Spiel ihr denn auch manchmal Lao Popmusik?

Lao Musik weniger, das haben wir früher mal gemacht. Aber da wir fast immer auf thailändischen Festen spielen, besteht unser Repertoire hauptsächlich aus thailändischer Musik und aus englischen Titeln.

Wie oder wo habt ihr eure Instrumente spielen gelernt?

Wir sind eigentlich alle Autodidakten. Wir haben uns das alles selbst beigebracht, eine klassische musikalische Ausbildung hat eigentlich keiner von uns. Bei unserem Schlagzeuger, dem Thomas war es so, dass der Vater Musiker ist. Thomas hat zu Hause immer auf dem Schlagzeug herumgehämmert und probiert, bis sein Vater dann sagte, eigentlich kannst du dir auch selbst ein Schlagzeug zulegen und Schlagzeuger werden. In unserer Band lernen wir auch alle sehr viel von einander, das ist ein Geben und Nehmen bei uns.

Wie lange hat das gedauert, bis du deinen ersten Auftritt hattest?

Ich hatte das Glück, bei "Champa", also unserer Vorgängerband einzusteigen und dann sozusagen direkt mit auf die Bühne zu gehen. Beim Thomas war das ähnlich, der "Seng" - unser Keyboarder und übrigens mein Schwager - ist später eingestiegen, aber er hatte davor auch schon lange, seit seiner Kindheit Musik gemacht.

Schreibt ihr auch eigene Musik?

Eigene Titel haben wir gar nicht, wir sind eigentlich eine reine Coverband.

Was bedeutet denn euer Name Suriya Project?

Wir hießen ganz am Anfang, die ersten zwei Jahre nach unserem Neustart nur "Suriya". Das heißt so etwa "Sonnenschein". Wir fanden, dass der Name ganz gut zu unserer Musik passt. Aber dann haben wir festgestellt, dass es noch eine andere thailändische Band gab, die genauso hieß. Deshalb hat der Claus dann vorgeschlagen, dass wir noch das Wort Project dazufügen, weil wir versuchen, thailändische Musik mit der westlichen Musik zu verbinden. Nicht nur durch die Kombination der englischen mit den thailändischen Liedern, auch in unserer eigenen Lebenssituation finden sich diese verschiedenen Einflüsse. Ich bin natürlich von meinen Wurzeln her asiatisch, aber irgendwie habe ich auch sehr viel Deutsches im Blut, genauso wie unser Schlagzeuger. Und dass hört man auch aus unserer Musik heraus, sie ist ein Gemisch ist aus asiatischen und europäischen Einflüssen.

Seid ihr alle in Deutschland aufgewachsen, gehört ihr schon zur zweiten Generation von Thais und Laoten in Deutschland?

Die jüngsten, also Thomas der Schlagzeuger und ich der Bassist wir sind hier aufgewachsen. Die anderen sind so mit 10 oder 12 Jahren hier nach Deutschland gekommen. Ich bin in Thailand, in Nong Khai geboren, aber schon im Alter von 2 oder 3 Monaten nach Deutschland gekommen und lebe jetzt schon seit 23 Jahren hier.

Auf was für Veranstaltungen spielt ihr? Spielt ihr auch auf deutschen Veranstaltungen wie zum Beispiel auf Stadtfesten?

Das haben wir auch mal gemacht, das war in Frankfurt beim Mainuferfest vor etwa drei Jahren. Das war eine ganz spontane Sache. Die Veranstalter hatten uns angerufen, weil noch eine Band gesucht wurde. Aber das war das einzige Mal, dass wir auf einem deutschen Fest gespielt haben. Sonst sind es thailändische Feste wie Loi Kratong, Songkran und Sommerfeste oder auch private Feiern wie Hochzeiten.

Wollt ihr Profimusiker werden und die Musik zu euerem Hauptberuf machen?

Wir sind alle in verschiedenen Berufen tätig, Musik ist unser Hobby. Wir hatten nie vor, professionell Musik zu machen. Ich bin zum Beispiel Student, andere machen gerade eine Ausbildung, wir haben einen gelernten Elektriker, einer ist Handwerker. Aber eins haben wir gemeinsam, unsere Musik.

In welchen Gegenden Deutschland spielt ihr denn meistens? Seid ihr auch schon im Ausland aufgetreten?

In der letzten Zeit treten wir auch immer häufiger im europäischen Umland auf. Wir waren vor kurzem in Wien, davor in S'Hertogenbosh/Waalwijk in Holland, in der Schweiz am thailändischen Tempel haben wir schon gespielt und auch in Belgien. Und ansonsten treten wir überall in ganz Deutschland auf wo es thailändische Veranstaltungen gibt.

Du hast vorhin darüber gesprochen, dass ihr Thai Kultur mit euren Liedern dem Publikum nahe bringen wollt. Was sind es denn für kulturelle Einflüsse, die eure Musik prägen?

Luktung ist ein wichtiger Bestandteil, aber auch der Chachacha. Aber die ganz traditionelle Musik, die man etwa zu den klassischen thailändischen Tänzen spielt, können wir schon allein wegen der Instrumente nicht spielen. Wir verstehen uns als Unterhaltungsmusiker, man kann auch sagen als Tanzmusik-Band. Wir versuchen, die Leute für unsere Musikrichtung zu begeistern und vor allem möchten wir, dass sie dabei Spaß haben und tanzen können.

Habt ihr euch schon mal überlegt mehr Tänzer und Tänzerinnen auf der Bühne einzusetzen?

Wir hatten zum Beispiel in Österreich, wo wir gespielt haben, eine Tanzgruppe dabei, so in bunten Kostümen, genauso wie es in Thailand bei den Lukthung Konzerten üblich ist. Die haben dann zu unserer Musik getanzt. Aber sonst haben wir noch nicht darüber nachgedacht, selbst eine Tanztruppe zu organisieren.

Wie sieht es aus mit dem Einsatz von traditionellen thailändischen Instrumenten, oder traditionelle Musikstile mit Thai-Pop zu kombinieren?

Die Idee finden wir interessant, aber wir haben keinen in unserer Gruppe, der diese Instrumente gut genug spielen könnte. Es ist nicht so einfach, jemanden zu finden, der diese Instrumente spielt und dann auch Interesse hätte, zusammen mit uns auf den Veranstaltungen aufzutreten. Unsere Auftritte sind ja meist Wochenendjobs, wir fangen Samstag früh an, holen den Mietwagen, laden ein, sind dann den ganzen Tag unterwegs und oft erst am nächsten Morgen um 4 oder 5 Uhr wieder zurück. Die Arbeit, die dahinter steckt, schreckt schon viele ab. Es geht eben nicht nur darum, auf der Bühne zu stehen und zu spielen sondern wir müssen natürlich auch aufbauen und abbauen, eben alles selbst machen, was dazugehört. Aber wir hatten schon mal auf einem Konzert eine "Kaen"-Spieler, der mit uns zusammen gespielt hat, das hat uns sehr viel Spaß gemacht. Dieser Musiker lebt aber in Holland, daher ist es wegen der weiten Entfernung nicht möglich, öfter zusammen zu spielen.

Was sind eure Pläne für die weitere Entwicklung der Gruppe? Habt ihr CDs gemacht oder versucht ihr in die Medien zu kommen?

Wir haben eine Demo-CD produziert, um uns zu präsentieren, wenn mal jemand anfragt hat, der sich für den Auftritt einer thailändischen Band auf einer Veranstaltung interessiert. Viele wissen auch nicht, wie wir klingen, haben vielleicht mal von uns gehört, aber kennen uns noch nicht. Denen schicken wir dann unsere CD zu. Profimusiker wollen wir ja nicht werden, es soll schon noch Hobby bleiben und in unsere Freizeit passen, aber wir versuchen uns auf dieser Grundlage weiter zu entwickeln. Über Auftritte in Medien, zum Beispiel im Fernsehen, haben wir uns noch keine Gedanken gemacht.

Wie reagiert denn das deutsche Publikum auf eure Lieder, verstehen die was ihr singt?

Wir haben ja erst einmal vor einem rein deutschen Publikum gespielt, das war bei dem Konzert in Frankfurt. Da sind die Deutschen meist erstmal verwundert stehen geblieben, wegen der Sprache und wegen des ungewohnten Rhythmus, das war natürlich was Neues für sie. Auch wenn wir unsere CD jemanden vorspielen, der uns noch nie gehört hat, meinen die Leute meist, das sei was ganz ungewöhnliches. Meistens finden sie unsere Musik interessant, ungewohnt aber interessant.

Habt ihr schon zusammen mit thailändischen Stars gespielt?

Wir haben schon mit vielen thailändischen Stars gespielt, zum Beispiel mit "Rung Suriya" und mit Chai Muengsingh, das war in Holland. Und auch mit Mike Piromporn und Ekkachai Sriwichai haben wir schon auf der Bühne gestanden, 2002 in Österreich.

Ihr habt auch eine Website? Was gibt's da zu sehen? Kann man dort auch was hören?

Klar, bei einer Band muss es schließlich auch was zu hören geben. Es gibt Infos über die Band und über die einzelnen Musiker, Bilder, MP3 Files zum herunterladen, unsere Demo-CD (allerdings nur jeweils 60 Sekunden der einzelnen Titel) und Links zu anderen Websites die wir interessant finden.

Und natürlich kann man da auch unsere aktuellen Termine erfahren, wann wir wo zu sehen sind. Zum Beispiel sind wir auch 2004 wie in jedem Jahr auf dem Songkranfest in Bergheim dabei.

Weitere Informationen:

© KhunJohn, 2004 thailife.de

 

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