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Der "Aidstempel" von Lopburi
Alongkot Phonlamuk, Abt des Wat Phra Baht Nam Phu, wurde im Jahre 1955 im Nordosten Thailands in Nong Khai, einer Provinzstadt am Mekong, der hier die Grenze zu Laos bildet, geboren. Er besuchte die Schule in Bangkok und nahm im Anschluß daran an der Kasetsart Universität ein ingenieurwissenschaftliches Studium auf, was er mit einem Bachelor-Abschluss beendete. Im Jahre 1979 ging er nach Australien, um dort an der Australian National University in Canberra den Master Degree als Ingenieur zu erlangen. Nach erfolgreichem Abschluss dieses Studiums kehrte er 1984 nach Thailand zurück und fand eine Stelle im Landwirtschaftsministerium.
Wie jeder männliche buddhistische Thai, der einmal im Leben Mönch werden sollte, trat auch er in den Mönchsstand ein und erhielt den Ordensnamen Dr. Alongkot Dikkhapanyo (im weiteren Text Phra Alongkot genannt). Im Jahre 1990 suchte er das ländliche Wat Phra Baht Nam Phu auf, einen kleinen, abgelegenen Tempel am Rande der Berge in der Nähe von Lopburi, um sich vertieft dem Studium der Lehren Buddhas zu widmen.
1992 trat dann ein einschneidendes Erlebnis im Leben des Phra Alongkot ein, als er ein Krankenhaus in der Gegend besuchte und dort einen im Sterben liegenden, todkranken AIDS-Patienten traf. Der Mann starb einsam und alleine, war von Familie, Freunden und Bekannten verlassen und von der Gesellschaft verstoßen worden. Phra Alongkot hielt seine Hand, als er starb.
Phra Alongkot begann nunmehr damit, sich intensiv über AIDS zu informieren und erkannte bald das immense Gefahrenpotential dieser
Krankheit für die thailändische Gesellschaft und auch den dringenden Bedarf, den betroffenen bzw. erkrankten Menschen, welche zumeist von der Gesellschaft verstoßen wurden, in allen Belangen zu helfen.
Um den verlassenen AIDS-Kranken zu helfen beschloß er, das Wat Phra Baht Nam Phu zu einem Hospiz auszubauen (daher auch der Name "Aidstempel"). Er nahm die ersten acht an AIDS erkrankten Menschen auf und begann sein Werk, zu dem er sich nunmehr berufen fühlte. Dieser Schritt erfolgte zu einer Zeit, als die meisten Menschen in Thailand noch wenig über die Krankheit wussten und es dort auch noch kaum Informationen oder Aufklärungskampagnen gab. Daher stieß Phra Alongkot zu Beginn überall auf Ablehnung und es schien fast aussichtslos, das Hospiz realisieren zu können. Sogar seine eigenen Ordensbrüder stellten sich gegen ihn. Sie vertraten den Standpunkt, dass es nicht Aufgabe der Mönche sei, sich um AIDS-Kranke zu kümmern. Einige Mönche verließen sogar aus Angst vor Ansteckung den Tempel.
Auch die lokale Bevölkerung protestierte gegen die Anwesenheit von AIDS-Kranken in der unmittelbaren Nachbarschaft. Dies führte schließlich sogar soweit, dass sogar die Versorgung der Mönche gefährdet war. Als bekannt wurde, dass AIDS-Kranke im Wat waren, vermied die Bevölkerung jeglichen Kontakt mit den Mönchen. Wie es überall in Thailand Brauch ist verlassen auch hier die buddhistischen Mönche früh morgens das Wat und gehen zu den Häusern und erhalten dort von der Bevölkerung Essenspenden.
Die Bauern in den umliegenden Dörfern hatten jedoch Angst, dass sie sich bereits mit AIDS infizieren könnten, indem sie einem Mönch Speisen in dessen Schale gaben. Die Angst trieb sie dazu, eines Tages einige Vertreter zum Aidstempel zu schicken, die dort gegen die Anwesenheit der AIDS-Kranken protestierten. Die Bauern befürchteten, dass das Brauchwasser aus dem Aidstempel auf Ihre Felder gelangen könnte und das Getreide und Gemüse mit AIDS infizieren würde, und sie es somit auch nicht mehr verzehren oder gar auf dem Markt verkaufen könnten.
Phra Alongkot beharrte auf seinem Projekt und ließ sich durch nichts beirren. Er versuchte durch Information und Aufklärung den Bauern die Angst zu nehmen und klärte sie zudem auch über die tatsächlichen Übertragungswege der Immunschwächekrankheit auf - ein sicherlich schweres Unterfangen zur damaligen Zeit.
Die eigentliche Akzeptanz seines Hospizes stellte sich aber erst einige Jahre später ein, als das "tödliche Monster" AIDS, welches nunmehr überall in Thailand auftauchte, auch in immer mehr Familien im näheren Umfeld auftrat und die Menschen dort nunmehr konkret damit konfrontiert wurden. Das Thema AIDS war in aller Munde, denn das Virus hatte sich in Thailand unaufhaltsam seinen Weg unter die Massen gebahnt. Heute kennt fast jeder in Thailand das Wat Phra Baht Nam Phu und den Mönch Phra Alongkot, der dort den erkrankten und HIV-positiven Menschen - die im übrigen auch heute immer noch Ausgestoßene sind - die Möglichkeit bietet, in Frieden und Würde und unter möglichst geringen Schmerzen zu sterben.
Mittlerweile ist das Hospiz von anfänglichen 8 Betten auf über 400 Betten angewachsen und ein weiterer Ausbau ist beabsichtigt. Das Hospiz besteht durch Spenden und freut sich über Zuwendungen jeder Art. Keine Spende kann zu gering sein und keine kann zu groß sein. Die gesammelten Geldspenden werden u.a. auch für die Errichtung weiterer Bungalows eingesetzt, um zusätzliche Menschen aufnehmen zu können. Neben Geldspenden werden aber u.a. auch Nahrungsmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs, wie Medikamente, Verbandmaterial und Medizintechnik benötigt.
Weitere Informationen finden Sie auf: http://www.aidstemple.th.org.
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