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Rundreise des thailändischen Bauernvertreters "Thong Law" im Oktober 2003
Der Nordosten Thailands gehört zu den ärmsten Regionen des Landes. Hier leben 5 Millionen kleinbäuerliche Haushalte unterhalb der Armutsgrenze. Ihre Haupteinnahmequelle ist häufig der Anbau von Jasmin-Reis, einer qualitativ hochwertigen Duftreissorte, die auf dem Weltmarkt höchste Preise erzielt.
Doch die Kleinbauern sind oft diejenigen, die hiervon am wenigsten finanziell profitieren. Ein dichtes Netz von Zwischenhändlern führt dazu, dass ein Großteil der Gewinne aus dem Jasminreis-Export in viele Taschen geleitet wird und nur wenig davon den anbauenden Kleinbauern und Bäuerinnen bleibt.
Jasmin-Reis ist in Thailand weit mehr als ein Agrar- und Handelsprodukt. Reis ist in Asien ein identitätsstiftendes Kulturelement. In einer Stellungnahme formulierte eine asiatische soziale Bewegung dies in den Worten: "Reis bedeutet Leben für uns in Asien. Reis ist der Eckpfeiler unseres Nahrungssystems, unserer Sprachen, unserer Kulturen und unseres Lebensunterhalts seit Tausenden von Jahren."
Trifft dies auf Reis in Asien zu, so gilt es in besonderer Weise für den thailändischen Jasmin-Reis.
Der Lebensunterhalt und das kulturelle Wertesystem der Farmer im Nordosten Thailands wird derzeit durch ein Forschungsprojekt, welches das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) durchführen lässt, massiv bedroht. Im Rahmen eines Forschungsprogramms wird Jasmin-Reis durch Biotechnologie derart verändert, dass er sowohl dem amerikanischen Klima als auch dem Bedarf nach maschinellen Erntemethoden genügt. Dies geschieht unter anderem durch Gammabestrahlung, durch die Genmutationen hervorgerufen werden, welche eine frühere Reife bewirken und somit kürzere Erntezyklen ermöglichen.
Was ist der Grund hierfür und welche ökonomischen Interessen stecken hinter diesem Fall von Biopiraterie?
Reis hat im thailändischen Landwirtschaftssektor eine überragende wirtschaftliche Bedeutung. Mit 29 Prozent der weltweiten Reisexporte stellt Thailand seit 20 Jahren das wichtigste Exportland dar. Dennoch bleiben die thailändischen Reisproduzenten selbst arm. Ein erheblicher Teil der Reisbauern und Bäuerinnnen hat selbst nicht genug Reis zu essen und deren Familien leiden an Unterernährung. Auf Grund massiver Schulden sind viele Familien gezwungen, ihre Kinder im arbeitsfähigen Alter in die Großstädte fort zu schicken ein Weg der nicht selten in die Prostitution führt.
Ganz anders stellt sich die Situation in den USA dar, hier ist die Reisproduktion in hohem Maße konzentriert und mechanisiert. Einige wenige Farmer und Nahrungsmittelkonzerne dominieren die Produktion. 50 Prozent der US Reisproduktion findet auf Feldern mit mehr als 200 Hektar statt, 20 Prozent gar auf Äckern mit mehr als 400 Hektar. Hierbei werden ausschließlich modernste Maschinen, elektronische Geräte und sogar Flugzeuge eingesetzt. Auf Grund der hohen Kapitalkosten der US Landwirtschaft führt der großflächige Anbau dennoch nicht zu einem hohen Einkommen der Farmer.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, worum es bei den Experimenten in den USA geht: Um Anteile in dem lukrativen Marktsegment für hochwertige Aromareissorten. Eine dem Jasmin-Reis vergleichbare Reissorte würde auf dem US-Markt beachtlichen Profit bringen. Gegenwärtig werden normale amerikanische Reissorten für 340 US $/ Tonne verkauft, während thailändischer Jasmin-Reis 520 US $/ Tonne erlöst, ein Unterschied von 44 Prozent. Da jährlich thailändischer Jasmin-Reis im Wert von 120 Mio. US $ auf dem amerikanischen Markt verkauft wird, würde eine Verringerung dieses Exportmarktes massive Auswirkungen auf die thailändischen Kleinproduzenten haben.
Dubios ist der Weg, den der thailändische Jasmin-Reis in die USA genommen hat: Der verantwortliche Forschungsleiter an der Universität Florida, Chris Deren, gibt an, das Keimplasma aus der Genbank des Internationalen Reisforschungsinstituts (IRRI) auf den Philippinen erhalten zu haben. Sollte dies zutreffen, dann hätte er automatisch in ein sogenanntes "Material Transfer Agreement" einwilligen müssen, das ihm verbietet, den Reis kommerziell zu nutzen und Patente auf seine Forschungsergebnisse anzumelden. Hintergrund hierfür ist, dass es seit 1994 ein internationales Übereinkommen der Vereinten Nationen gibt (FAO-CGIAR Trusteeship System), das den Transfer von Keimplasma aus den Genbanken regelt. In diesem Zusammenhang ist dem IRRI "Beihilfe zur Biopiraterie" vorzuwerfen, da es nicht in der Lage ist, das als "öffentlich" deklarierte Saatgut wirksam gegen Kommerzialisierung und Patentierung zu schützen.
Das Bekanntwerden der US-Forschungsarbeiten führte in Thailand zu einem Aufschrei, der bis in die USA deutlich zu hören war. Im November 2001 protestierten Tausende thailändischer Kleinbauern vor der US-Botschaft in Bangkok gegen diesen Fall von "Biopiraterie". Die Forderungen der thailändischen Protestbewegung sind eindeutig:
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Stopp des US-Forschungsprojekts und die Garantie, dass es keinen Wettbewerb mit den thailändischen Kleinbauern gibt, und
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Keine Patente auf Jasmin-Keimplasma.
Gegen den Zugriff auf ihre Lebens- und Ernährungsgrundlagen formiert sich Widerstand in Asien. So fordert eine gemeinsame Initiative asiatischer sozialer Bewegungen und NGOs unter dem Motto "Kein Patent auf Reis! Kein Patent auf Leben!" u.a. die Anerkennung, dass Bauern- und Gemeinderechte höher zu bewerten sind als kommerzielle geistige Eigentumsrechte, das Verbot von Patenten auf Lebensformen sowie das Verbot der Anwendung von Methoden der Gentechnologie auf Reis und alle anderen Lebensmittel.
Im Frühjahr 2003 hat eine Intervention der Menschenrechtsorganisation FIAN bereits zu massiven internationalen Protesten gegen das IRRI und das USDA geführt.
Mitte bis Ende Oktober 2003 befindet sich Thong Law, thailändischer Bauernvertreter des AAN (Alternative Agricultural Network), zusammen mit Karsten Wolff (Save our Rice-Campaign, PAN AP) auf Vortragsreise durch Deutschland, um über die Bedrohung der Existenz von 5 Millionen thailändischen Kleinbauern durch ein Forschungsprojekt der USA zur Patentierung von Jasminreis-Keimplasma zu berichten.
Mit der Veranstaltungsreihe in Deutschland möchten die Initiatoren ein Bewusstsein für die Probleme der thailändischen Farmer schaffen und hoffen, für deren Anliegen auch in Deutschland Unterstützung zu mobilisieren.
Veranstalter der Reise sind die BUKO Agrar Koordination, Misereor und PAN AP (Pesticide action network Asia & Pacific).
Die genauen Termine und Veranstaltungsorte werden Ende September bekanntgegeben. Die Informationen werden auf der Website der BUKO Agrar Koordination (www.bukoagrar.de) zu finden sein.
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Die Veranstaltungsorte und -tage werden sein:
| Ort |
Termin |
Veranstaltungsort |
VeranstalterIn |
Hamburg |
15.10.
14:30 Uhr
16:15 Uhr |
im Rahmen der Tagung "Wasser und biologische Vielfalt als Handelsware"
Tagungshaus "Haus am Schüberg" |
BUKO AGRAR Koordination & Eine Welt Netzwerk HH
bukoagrar@aol.com
www.bukoagrar.de |
Kiel |
17.10.
19.30 Uhr |
in der Pumpe
Haßstr. 22
24103 Kiel |
Graswurzelgruppe Kiel
andrea.depenau@gmx.de |
Berlin |
21.10.
19:30 Uhr |
Haus der Demokratie und Menschenrechte
Vorderhaus,1.Etage
Greifswalder Straße 4
10405 Berlin |
GEN, Berlin
tehersia.scheierling@gen-ethisches-netzwerk.de |
Potsdam |
22.10.
20:00 Uhr |
Al Globe
Brandenburgisches Haus der Kulturen
im Salon
Charlottenstr. 31
Potsdam |
BUND Jugend,
Potsdambpeuker@web.de |
Mainz |
23.10.
19:30 Uhr |
Interkulturelles Zentrum
Rheinallee 3 D
55116 Mainz |
Heinrich Böll Stiftung, Jusos, Grünen Jugend, Attac
pr@boell-rlp.de (H.Böll-Stiftung)
s.o.krates@web.de (Jusos) |
Heidelberg |
24.10.
19:30 Uhr |
Kulturhaus Karlstorbahnhof
Am Karlstor 1
69117 Heidelberg
Veranstaltungsraum: Gumbel Raum |
FIAN
tang@fian.org |
Aachen |
27.10.
20:00 Uhr |
im Ché-Haus
(Alexander-von-Humboldt-Haus)
Pontstr. 41
Aachen |
Attac und Anti- Kriegs- Bündnis
uni-aachen@attac.de |
Essen |
28.10.
20:00 Uhr |
Kulturzentrum GREND
Westfalenstr. 311
45276 Essen |
uwipf@gmx.net |
Münster
|
29.10.
18:00 Uhr |
Uni Münster
Hörsaal 220
Pferdegasse 3
(im Paläolologischen Museum) |
Deutsch-Thailändische Gesellschaft, Stützpunkt Münster
Thailändischer Studentenverein* in Deutschland
in Zusammenarbeit mit Institut für Ethnologie Geographisches Seminar der WWU Münster
grabowsk@uni-muenster.de |
Köln |
30.10.
20:00 Uhr |
Allerweltshaus
Körnerstraße 77-79
50825 Köln |
awhkoeln@web.de
www.allerweltshaus.de |
Thong Law, thailändischer Bauernvertreter und Aktivist gegen "Biopiraterie"
Thong Law ist ein Kleinbauer aus der Provinz Yasothorn in der Isaan-Region (im Nordosten Thailands), dem Hauptanbaugebiet von Jasmin-Reis. In der Gegend von Yasothorn gibt es seit geraumer Zeit Projekte, die einen "Fairen Handel" mit Europa betreiben.
Thong Law selber baut auch Jasmin-Reis an und seine Farm ist ein Modell für integrierte organische Landwirtschaft. Darüber hinaus ist Thong Law der lokale Vertreter des "Alternative Agricultural Network" (AAN). In dieser Funktion führt er Trainings für andere Farmer durch und veranstaltet Seminare und Bildungsveranstaltungen in Yasothorn.
Thong Law nahm koordinierend an den thailändischen Protesten zum Jasmin-Reis teil. Er ist ein ausdruckstarker Sprecher und hat bereits an Tagungen in den Philippinen teilgenommen. Allerdings spricht Thong Law kein Englisch, so dass sein Vortrag durch einen Dolmetscher übersetzt werden muss. |
© unter Verwendung von Texten der BUKO Agrar Koordination
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