|
Besuch von Thomas Albrecht im Childlife-Projekt
als ich endlich in Mae Sai ankam bemerkte ich, dass ich leider die Handynummer von Childlife vergessen hatte und so blieb mir nichts anderes übrig, als das Projekt auf eigene Faust zu suchen.
Nach ca. 20 Minuten Fahrt mit dem gemieteten Motorrad sah ich endlich in der ferne, umgeben von Reisfeldern, eine Ansammlung mehrerer Gebäude. Weil ich das Kinderdorf bereits vergangenes Jahr im Rohbau besichtigt hatte, konnte mich noch vage an den Weg dorthin erinnern. Da sich kilometerweit um das Kinderdorf nur Reisfelder erstrecken, musste es sich wohl, so hoffte ich zumindest, bei diesen Gebäuden um das neue Kinderdorf von Childlife handeln.
Gewissheit darüber bekam ich, als mir die ersten Kinder entgegenliefen um mich zu begrüßen. Marbena, mit 14 Jahren eine der ältesten Mädchen im Projekt, rief mir gleich zur Begrüßung entgegen: "Pi Thomas uan" (Thomas ist dick geworden) und blies dabei die Backen auf. Die kommenden Tage bekam ich diese Sache (ich würde es eher Unterstellung nennen :-) nahezu stündlich unter die Nase gerieben, denn viele der Kinder rieben sich den Bauch wenn sie mich sahen und sagten "Football". Als dann am Abend darauf vor versammelter Mannschaft die Hängematte unter meiner Last durchriss und ich mit einem lauten Knall auf dem Boden landete, gab ich jeden Widerspruch auf
Rundgang durchs Kinderdorf
Bei meinem ersten Rundgang durch das Kinderdorf war ich sehr beeindruckt. Neben den Schlafräumen für die Kinder gibt es ein Schulgebäude mit Kindergarten, ein Verwaltungsgebäude mit ausgelagertem Besprechungszimmer, die Küche mit großem Essenssaal, zwei Hütten für die Mitarbeite, zwei große Seen, die zum baden und als Fischfarm genutzt werden, eine Schweinezucht und jede Menge Hühner. Vor der Schule befindet sich eine große Spielwiese mit Volleyball-Feld. Nahe der Küche liegt der Garten, in dem Gemüse und Früchte gepflanzt werden. Auch eine kleine Hütte zur Pilzzucht ist bereits vorhanden und muss nur noch in Betrieb genommen werden
das Childlife-Projekt ist erwachsen geworden
als ich vor ca. zwei Jahren als Volunteer im Projekt mitarbeitete, gab Childlife etwa 30-40 Kindern ein neues Zuhause. Das kleine Childlife-Haus bot zum einen kaum Raum für die vielen Kinder, zum andern war das Projekt personell stark unterbesetzt, so dass ein gezieltes Arbeiten (z.B. in der Childlife-Schule) sehr schwierig war. Heute beherbergt die Childlife-Schule bereits zwei Klassen und eine Vorschule für die ganz kleinen. Die Klassen sind nicht nach Alter, sondern nach Wissensstand unterteilt, was einen zugeschnittenen Unterricht für die Kinderermöglicht und Über- bzw. Unterforderung einzelner Kinder ausschließt. Unterrichtet werden die Klassen von den Thailändern Chet, Wat und Bou, die alle ein intensives Teacher-Training erfolgreich abgeschlossen haben. Vormittags zwischen 8.00 und 12.00 Uhr findet der theoretische Unterricht statt, nachmittags gibt es alternativen Unterricht z.B. in Landwirtschaft auf der kleinen Childlife-Farm. Die Childlife-Schule wird gerade registriert, so dass unsere Schüler nach erfolgreich bestandener Prüfung einen offiziellen Abschluss erlangen.Dies öffnet ihnen die Tür zu einer weiterführenden Ausbildung oder sogar für ein Studium.
Das Childlife-Team wurde inzwischen von damals 5 auf ca. 10 Mitarbeiter aufgestockt, was eine zufrieden stellende Betreuung der Kinder gewährleistet. In Anbetracht der vielseitigen Aufgaben die im Projekt zu erledigen sind, ist jedoch ein weiterer Mitarbeiterzuwachs dringend erforderlich.
Doch bei allen fortschritten des Projektes gibt es auch noch sehr viele Herausforderungen zu bewältigen. So sind z.B. einige Wege des Geländes noch nicht ausreichend befestigt und drohen in der Regenzeit ausgespült zu werden. Auch die momentan noch fehlende Strom- und Wasserversorgung wirft vielseitige Probleme auf. Da das Kinderdorf weit außerhalb liegt, ist momentan noch kein Anschluss an das öffentliche Stromnetz vorhanden. Für die Stromversorgung läuft in den Abendstunden ein Stromgenerator, was sehr lärm- und kostenintensiv ist.
Auch der Sprunghafte Anstieg der betreuten Kinder bringt das Projekt an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. So ist die Anzahl der Kinder binnen der letzten drei Monate von 60 auf 75 angestiegen. Um alle Kinder verpflegen zu können muss teilweise auf teuere Gemüse- u. Obstsorten verzichtet werden, was wiederum zu Lasten einer ausgewogenen Ernährung der Kinder geht. Auch die inzwischen stark überalterten Fahrzeuge (vor allem das Auto) werden immer unzuverlässiger und schaffen dadurch zusätzliche Schwierigkeiten
Alles in allem hat sich das Childlife-Projekt aber trotz der vielen Probleme, die auf dem Weg lagen und zum Teil noch liegen, hervorragend entwickelt und wird auch in Zukunft ein zuverlässiger Zufluchtsort für die Straßenkinder in Mae Sai bleiben
Viele aktuelle Bilder vom Kinderdorf finden Sie in unserer Bildergalerie>>
© Thomas Albrecht, www.hopeforlife.de
|