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Vom Slumkind zur Senatorin - ein Interview mit Khun Prateep Ungsongtham Hata
Gründerin und Generalsekretärin der Duang Prateep Foundation, Bangkok
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Prateep Ungsongtham Hata, Gründerin und Generalsekretärin der Duang Prateep Foundation wuchs selbst im Bangkoker Slum Klong Toey auf. Bereits im Alter von zwölf Jahren musste sie in der Fabrik arbeiten, um ihrer Familie zu helfen. Später organisierte sie die erste Schule im Slum unter ihrem Elternhaus. Aus diesen kleinen Anfängen entwickelte sich eine der erfolgreichsten und bedeutendsten NGOs Thailands. Im letzten Jahr wurde Frau Prateep als eine von 17 Vertretern Bangkoks in den Senat gewählt.
Am 3. Januar 2002 besuchte thailife.de die Duang Prateep Foundation in Bangkok.
Sind Sie hier im Klong Toey aufgewachsen ?
Der Klong Toey - Kanal wurde in der Regierungszeit von König Rama V. gebaut. Er führt an Bangkok's Hauptbahnhof vorbei bis zum Menam Chao Phraya Fluß. Der Name Klong Toey rührt von der hier wachsenden Pflanze "Toey " her .
Meine Familie zog von Samut Prakan nach Bangkok um hier Arbeit zu finden und ich wurde hier im Klong Toey Slum geboren.
Ich bin hier aufgewachsen und habe viele Dinge gesehen, ein paar Veränderungen aber immer die Schwierigkeiten der Armen, die in die große Stadt zogen, um hier Arbeit zu finden und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Als meine Eltern in den Klong Toey zogen, um dort zu leben, gab es keine Schule in der Gegend, keinen Strom und keine Wasserversorgung.
Meine Mutter ist eine Frau aus ländlichem Gebiet und sie hatte den Traum, einmal studieren zu können. Aber zu jener Zeit gab es für Mädchen aus armen Familien keine Möglichkeit zum Studium, weil Schulen nur in Tempeln angesiedelt und somit nur für Jungen zugänglich waren.
Meine Mutter war sich über die Wichtigkeit einer Ausbildung im Klaren. Darum versuchte sie sich selbst etwas beizubringen, indem sie Kinder, die zur Schule gingen, über deren Fächer und Aufgaben befragte und schlußendlich lernte sie so zu lesen und zu schreiben.
Hieraus resultierte auch meine ursprüngliche Motivation und meine Ermutigung. Ich verstand, dass Ausbildung unseren Horizont erweitert, um die Welt anders betrachten zu können. In den Slums gab es nur Armut und Menschen in Notlagen. Ich wollte dies nicht als mein Schicksal akzeptieren. Ich wollte studieren, aber zu jener Zeit war es sehr schwierig, eine Schule zu finden, die ich besuchen konnte.
Wie wurde aus dem ehemaligen Slum-Mädchen eine Senatorin von Bangkok ?
Das ist eine lange Geschichte. Seinerzeit fand und besuchte ich endlich eine Grundschule. Danach ging ich in einer Fabrik arbeiten, wo ich viele Kinder hart arbeiten sah. Auch ich hatte meine Schwierigkeiten. Ich dachte, wenn es eine Möglichkeit gibt, meine Ausbildung fortzusetzen, möchte ich Lehrerin werden. So könnte ich diesen Kindern eine Ausbildung geben und Kenntnisse vermitteln, damit diese wenigstens lesen und schreiben lernen konnten. Als ich jung war, habe ich sehr gerne gelesen.
Es gelang mir schließlich, meine Ausbildung fortzusetzen und nach einiger Zeit gründete ich eine kleine Schule unter dem Haus meiner Eltern im Klong Toey. Ich nannte sie die "Ein Baht pro Tag - Schule"
Wir hatten viele Probleme und ich mußte oft gegen die Bürokratie kämpfen, da man der Ansicht war, dass dies eine nicht lizenzierte Schule war und die Kinder, die keine Geburtsurkunde und keinen Meldezettel vorweisen konnten, kein Recht hätten, eine Schule zu besuchen.
Wir bestanden aber darauf, daß die Kinder eine Ausbildung erhalten sollten. Wir kämpften zehn Jahre darum, bis wir eine rechtsgültige Lizenz erhielten und ich arbeitete dort als offizielle Lehrerin für viereinhalb Jahre.
Dann habe ich den Magsaysay-Preis gewonnen und mit dem gewonnen Preisgeld wurde die Duang Prateep Stiftung gegründet.
Ich bewarb mich 2001 um einen Sitz im Senat, da ich der Ansicht war, daß die Probleme der Armut auf politischer Ebene angegangen werden müssen. Neue Gedanken und neue Ansätze müssen eingebracht werden um das Denken und die Bürokratie zu verbessern. Aber dies wird eine langfristige Aufgabe sein. Wir geben unsere Bestes, um Veränderungen herbeizuführen.
Sie sind jetzt eine hochrangige Persönlichkeit, die mit vielen Beamten und der Presse spricht...
Ich dachte, wenn ich Senatorin bin, könnte ich mehr mit den Behörden und der Polizei sprechen. Es ist nicht nur das - ich möchte auch, daß das System besser funktioniert, als es jetzt der Fall ist. Aber das Problem ist, daß es bei der Arbeit als Senatorin überwiegend um Gesetze und Vorschriften geht. Wir folgen damit in gewisser Weise der Arbeit der Regierung. Es kam schon vor, daß ich einige ganz konkrete Probleme der Slum-Gemeinden angesprochen habe, aber es wurde mir gesagt, daß dies zu kleine Details wären.
Wie ist die Situation der Duang Prateep Foundation heute ?
Zuerst haben wir versucht, den armen Kindern in den Slums eine Ausbildung anzubieten, indem wir Schulen eröffnet haben. Wir haben Untersuchungen angestellt über Kinder, die keine Schule besuchten oder sich den Schulbesuch nicht leisten konnten. Wir gaben ihnen Schuluniformen und Bücher, so daß sie zur Schule gehen konnten.
Wir versuchten, mit den Behörden über diese Kinder zu sprechen. Wo immer sie leben, laßt sie eine Ausbildung erhalten, das war unsere Botschaft. Jetzt befinden sich unsere Zielgruppen nicht nur im Klong Toey, sondern auch in anderen Slum-Gebieten, wo es Kinder gibt, die einen Schulbesuch und Ausbildung nötig haben.
Neben der Hilfe für die Ausbildung der Kinder, versuchen wir, arme Leute anzuspornen und zu unterstützen, ihre eigenen Gedanken und Visionen eines besseren Lebens zu entwickeln, für sich und ihre örtlichen Lebensgemeinschaften.Dies ist ein sehr wichtiges Ziel, weil wir alleine nicht in der Lage sind, alles für diese Menschen zu tun. Die Menschen selbst sollten verstehen, daß sie sich selbst mit ihren Ideen einbringen müssen, um ihre Probleme zu lösen. Und sie sind auch diejenigen, die Ihre Forderungen und Vorschläge den Behörden und der Regierung vortragen müssen.
Ich glaube, daß die Stiftung sehr viel getan hat in den Bereichen Ausbildung, Gemeinschaftsförderung für die Menschen im Klong Toey, Gesundheitswesen, AIDS-Aufklärung, Kampagnen gegen Drogenmißbrauch, Hilfe für Kinder, die sexuell mißbraucht wurden und viele andere Aktivitäten. Unser nächster Schritt ist es, mehr über die Gründe herauszufinden, die Armut und Gewalttätigkeit hervorrufen.
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Fotos: KhunJohn
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