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Archiv 2001

Thailändische Umweltaktivisten und Bürgerrechtler zu Besuch in Deutschland

Mit Unterstützung der Zweigstelle Chiang Mai der den Grünen nahestehenden Heinrich Böll Stiftung besuchten Vertreter von 12 Nicht-Regierungs-Organisationen (NRO) Deutschland. Zum Auftakt der Rundreise fand am 28. Mai im Essener Asienhaus ein Begrüssungsempfang für die thailändischen Gäste statt. Mitarbeiter des Asienhaus und Gäste hatten Gelegenheit, die Vertreter der thailändischen sozialen und Umweltinitiativen kennenzulernen und mit ihnen zu diskutieren.

Die thailändsche Delegation war mit dem Ziel gekommen, sich über politische und soziale Fragen in Deutschland und Europa ein Bild zu verschaffen, die deutsche Umweltpolitik zu studieren mit den Vertretern deutscher Nicht-Regierungs-Organisationen (NRO) über die Auswirkungen der Globalisierung zu sprechen. .

Der Empfang fand in den Räumen des Asienhaus in Essen statt. Rawadee Prasertchareunsuk Secretärin des Coordinating Committee on Development (NGO-COD) und Sprecherin der Gruppe stellte die 12 Teilnehmer der Reise, die verschiedene Organisationen und Initiativen repräsentierten, vor. Unter ihnen befand sich Herr Narit Doungsuwan, Koordinator der 'Small Fishing Community Development' aus Songkhla (Entwicklungsprojekt für Gemeinden von Kleinfischern in Südthailand), Frau Tussanee Verakan, Verantwortliche für die politischen Kampagnen des 'Alternative Agriculture Network' (AAN, Netzwerk für alternative Landwitschaft) und Herr Suriyasai Katasila, von der 'Campaign for Popular Democracy' (Kampagen für Basisdemokratie). Unter den Gästen waren Reiseveranstalter, die auf Ökotourismus in Asien spezialisiert sind, Künstler und thailändische und deutsche Jounalisten.

Das Asienhaus ist eine Nicht-Regierungsorganisation und fördert und organisiert Asien-bezogene Aktivitäten in Deutschland. Es bietet einen Treffpunkt und Informationszentrum für Menschen und Gruppen mit Interesse an asiatischen Themen, wobei der Schwerpunkt eindeutig bei Fragen der Menschenrechte und sozialen und demokratischen Projekten und Bewegungen liegt. Eine Reihe von Asienvereinen und asiatischen Einwanderergruppen trifft sich hier regelmässig. Das Asienhaus befindet sich im ehemaligen Verwaltungsgebäude der stillgelegten Zeche "Zollverein" im Essener Stadtteil Kattenberg.

Nach der Vorstellung und Begrüssung der Gäste berichtete uns Khun Suriyasak Katasila (Campaign for Popular Democracy) über seine ersten Eindrücke und Aktivitäten in Deutschland.

"Heute morgen sind wir im Asienhaus angekommen und haben gleich an einem Gespräch zum Thema 'Zusammenarbeit von deutschen und thailändischen NROs in den Bereichen Erziehung und Entwicklung' und wir konnten mit unseren deutschen Gastgebern unsere Ideen austauschen. Nachmittags sind wir zu Besuch im deutschen Ministerium für Umwelt und Verbraucherfragen gewesen, wir hatten Gelegenheit, mit dem Referenten für Verbraucherschutz über die aktuellen politischen Ziele und über die einschlägigen deutschen Gesetze sprechen. Es war für uns klar ersichtlich, dass hier in Deutschland die Verbraucherrechte und der Verbraucherschutz sehr wichtige Themen sind und dass die deutsche Regierung in starkem Masse auf die Belange der Verbraucher Rücksicht nehmen muss. Dies ist eine grundsätzlich andere Situation als bei uns in Thailand, wo der für den Verbraucherschutz zuständige Beamte keine wirkliche Macht hat, irgendetwas zu bewegen. I denke, das wird auch eines der Themen sein, auf das wir, die thailändischen NROs die Aufmerksam der Regierung lenken müssen.

Nach unserem Aufenthalt hier in Essen werden wir Bonn und Berlin besuchen, um mit Vertretern der Grünen zu sprechen und mit ihnen unsere Meinungen
auszutauschen.

Die thailändische Politik tritt jetzt in eine neue Phase ein, nachdem die neue Konstitution in Kraft getreten ist. Wir hoffen, dass es irgendwann in der Zukunft auch bei uns in Thailand eine Partei wir die Grünen hier in Deutschland geben wird. Der eine oder andere Politiker versuchte zwar, während des letzten Wahlkampfs ökologische Fragen zu betonen aber diese versuche waren kaum erfolgreich und wurden nicht so recht ernst genommen. Wir haben diese Reise unternommen um zu lernen und für uns herauszufinden, ob einige der Konzepte der Grünen auch in Thailand angewendet werden können und der thailändischen Bevölkerung eine echte Alternative bieten könnten."

Kritsada Boonchai vom 'Project for Ecological Recovery (PER)' erzählte uns über ihr Project. "Unsere Organisation verfolgt drei Hauptziele. Erstens beobachten wir die Regierungspolitik in Bezug auf die Globalisierung und deren Auswirkungen auf unsere Ressourcen und unsere Gemeinden.

Zweitens versuchen wir die Gemeinden zu unterstützen und zu stärken, damit sie imstande sind, für ihre eigenen lokalen Ressourcen Verantwortung zu übernehmen. Denn wir meinen, dass die natürlichen Ressourcen wesentliche Grundlagen für die Lebensweise, die Umwelt, die Wirtschaft und auch die Kultur der Gemeinden sind. Wir bemühen uns darum, die Menschen zu informieren, wie sie ihre eigenen Wasservorkommen verwalten können, die Wälder bewirtschaften können und dafür Sorge tragen können, dass genügend kultivierbares Land für die Landwirtschaft zur Verfügung steht.

Unser drittes Hauptziel ist es, diese Ideen und Forderungen der Bevölkerung in die Regierungspolitik einzubringen, zum Beispiel indem wir eine Kampagne durchführen für ein Gesetz über die Verwaltung der Gemeindewälder durch Gemeindekommitees.

Wir arbeiten sehr eng in einem Netzwerk von regionalen und lokalen Nicht-Regierungsorgansationen zusammen. Wir sprechen die Menschen an und verteilen unsere Informationen und führen auch Untersuchungen über die Probleme vor Ort durch, zusammen mit den betroffenen Einwohnern und lokalen
Beamten.

Dann versuchen wir auch, die allgemeine Öffentlichkeit in unserem Land darüber zu informieren, dass nicht die lokale Bevölkerung als Verursacher der Probleme der Umwelt und unserer natürlichen Ressourcen zu beschuldigen ist. Die Gründe für die Umweltprobleme, mit denen wir konfrontiert sind sehr viel komplizierter. Unzureichende Entwicklung, Interessenskonflikte, wirtschaftliche Einzelinteressen von Unternehmen und Privatpersonen spielen hierin eine wichtige Rolle.

Viele Gemeinden hätten eigentlich das Potential, um ihre eigenen Ressourcen zu verwalten, wenn es uns nur gelingt, Entwicklung und Umweltschutz miteinander zu kombinieren. Ich denke, die Menschen beginnen jetzt allmählich, dies zu begreifen."

John Pohl
© thailife.de

 

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