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Archiv 2001

Interview mit Seiner Exzellenz Surapong Jayanama
Botschafter des Königreichs Thailand
Berlin, 25. September 2001

Eure Exzellenz, was sind Ihre ersten Eindrücke von Deutschland und der Haupstadt Berlin?

"Deutschland fühle ich mich besonders verbunden"

Dies ist nicht das erste Mal, dass ich nach Deutschland komme. Ich diente meinem Land als Gesandter in der thailändischen Botschaft in Bonn in den Jahren von 1985 - 1989, als Bonn noch die deutsche Hauptstadt war.

Dies ist also meine zweite Dienstzeit in Deutschland, diesmal als Botschafter. Ich bin erst Anfang August hier angekommen und morgen Nachmittag werde ich dem Bundespräsidenten Johannes Rau meine Akkreditierungurkunde überreichen.

Berlin habe ich in den Jahren meiner ersten Amtszeit einige Male besucht. Ich verliess Deutschland im Dezember 1989, kurz nachdem die Mauer gefallen war, und so konnte ich dieses historische Ereignis aus der Nähe miterleben.

Bonn kann man nicht mit Berlin vergleichen. Bonn ist eine kleine und eher provinzielle Stadt und Berlin ist eine kosmopolitische Metropole, in jeder Hinsicht, politisch, wirtschaftlich und kulturell, eine Stadt in der es so vieles zu sehen und zu entdecken gibt.

Aber wenn Sie mich fragen, wo ich lieber wohnen würde, würde ich eher Bonn als Berlin wählen. Ich mag Bonn sehr, es ist eine ruhige und angenehme Stadt und die Menschen dort sind sehr angenehm.

Doch es ist ganz natürlich und eine logische Konsequenz der Wiedervereinigung, dass Berlin jetzt wieder die Hauptstadt Deutschlands ist. Ich habe mich daran zu gewöhnen, jetzt in Berlin und nicht in Bonn zu leben. In meinem Leben ist dies schon eine Veränderung, aber im Grunde genommen finde ich, dass die Deutschen und ihre Lebensart doch überall in Deutschland einander recht ähnlich sind.

In welchen Ländern und Ämtern haben sie Thailand vorher gedient ?

Meine erster Einsatz war in der Botschaft in Jakarta, Indonesien als 'Junior Officer' in der Position eines dritten Sekretärs. Dann wurde ich Erster Botschaftssekretär in Rom. Danach verbrachte ich einige Zeit in der Zentrale, dem Aussenministerium in Bangkok. Das ist für unsere Diplomaten so üblich. Anschliessend folgte der schon erwähnte erste Einsatz in Deutschland. Danach trat ich meine erste Botschafterstelle in Hanoi, Vietnam an. Von dort ging ich als Botschafter meines Landes nach Portugal und dann nach Griechenland. Hier in Berlin trete ich jetzt meine vierte Amtszeit als Botschafter an.

Welches Land gefiel Ihnen denn am besten ?

Da gibt es kein Land, dass ich den anderen vorziehen würde, jedes Land hat seine eigene Geschichte, seine Kultur und seine Sehenswürdigkeiten und der Aufenthalt in den verschiedenen Ländern, in Rom, Lissabon, Athen und jetzt hier in Berlin erweitert immer die Kenntnisse und Erfahrungen.

Aber wenn sie mich fragen, welchen Ländern ich mich besonders verbunden fühle, dann sind dies Italien und Deutschland. In Italien habe ich neun Jahre meiner Kindheit verbracht und später dann vier Jahre gearbeitet, insgesamt dort also dreizehn Jahre gelebt. In Deutschland war ich vier Jahre im Amt und kehre jetzt wieder nach Deutschland zurück. So kann ich sagen, Italien und Deutschland sind für mich zu einem zweiten Zuhause geworden. Hätte ich vielleicht in Portugal zehn Jahre verbracht, so würde ich mich bestimmt mit diesem Land stärker verbunden fühlen.

Finden Sie hier in Berlin Ihr gewohntes thailändischen Essen, oder ist das eher schwierig ?

Nein, keinesfalls. Als Thai mag ich natürlich gern thailändisch essen, aber ich bestehe nicht darauf, immer und überall thailändisch zu essen. Mir gefallen auch deutsches Essen und die Küche anderer europäischer Länder gut. Ich möchte gern überall, wo ich hinkomme, auch die lokale Küche kennenlernen.

Wir haben hier einen thailändischen Koch, ich kann also immer thailändisches Essen bekommen, wenn ich möchte. Aber mindestens ein oder zweimal im Monat gehe ich zur Abwechslung ins Restaurant und esse japanisch, chinesisch oder indisch.

... und Currywurst, mögen sie die auch, so wie unser Bundeskanzler ?

Man sollte alles kennenlernen und ausprobieren, wenn man die Gelegenheit dazu hat. Manche Leute haben Probleme damit hat, anderes Essen als das gewohnte zu essen, aber dann haben sie auch ein generelles Problem damit, im Ausland zu leben. Wenn man reist, kann man nicht immer und überall erwarten, seine gewohnten Speisen finden. Da ist es schon besser, sich an das Sprichwort zu halten, "Wenn du in Rom bist, handle wie die Römer".

Herr Botschafter, lassen Sie uns jetzt auf einige Themen der gegenwärtigen weltpolitischen Lage eingehen. Was ist Thailands Situation und Thailands Position in der gegenwärtigen Krise nach den Terroranschlägen vom 11. September in den USA ? Ist jetzt die wirtschaftliche Erholung Thailands in Gefahr ?

"Terrorismus darf sich nicht auszahlen"

Thailand hat unmittelbar nach den tragischen Ereignissen in New York deutlich Stellung bezogen. Wir befinden uns mit unserer Haltung mit der internationalen Gemeinschaft und mit Deutschland im Einklang. Wir haben terroristische Aktionen immer mit aller Entschiedenheit verurteilt. Es ist unsere feste Überzeugung, dass Terrorismus sich nicht auszahlen darf.

Wenn wir den Terrorismus verurteilen, dann bedeutet dies in keiner Weise, dass wir uns gegen eine bestimmte Religion oder eine gegen eine ethnische Gruppe stellen. Im Grunde hat der Terrorismus auch nichts damit zu tun, ob jemand beispielsweise Muslim ist. Hier in Deutschland hatten Sie zum Beispiel die "Rote Armee Fraktion", und da handelte es sich um Deutsche, die gewiss nichts mit irgendeiner Religion zu tun hatten.

Der Terrorismus ist eine weltweite Seuche, ein globaler Virus. Und ebenso global müssen auch die Abwehrmassnahmen gegen den Terrorismus sein. Dies ist kein Problem, dass ein einzelnes Land oder eine Gruppe allein lösen könnte. Es muss zu einer international abgestimmten Zusammenarbeit kommen, um dieses Problem aus der Welt zu schaffen.

Jetzt zur wirtschaftlichen Lage. 1997 erlebten wir den Ausbruch einer scharfen wirtschaftlichen Krise in Thailand, die sich dann rasch auf andere Regionen Asiens ausweitete. Es sind jetzt vier Jahre vergangen, aber von einer wirklich tiefgreifenden wirtschaftlichen Erholung kann noch nicht die Rede sein. Wir leben heute in einer globalisierten Welt, die thailändische Wirtschaft ist eng mit der Weltwirtschaft verflochten, besonders mit den stärksten Wirtschaftsräumen, USA, Japan und der Europäischen Union. Ungefähr 90% unsere Handels findet mit diesen Ländern statt, wir produzieren für diese Märkte. Und wenn der Export sich nicht erholt und steigert, dann kann sich auch die wirtschaftliche Erholung nicht einstellen.

Thailand würde gern mehr ausländische Direktinvestitionen ins Land holen. Es ist verständlich, dass derzeit die private Wirtschaft und die Geschäftsleute verschiedener Länder, darunter auch Deutschland, eine sehr vorsichtige und konservative Haltung gegenüber Auslandsinvestitionen annehmen.

Dennoch, es ist ermutigend, dass Deutschland im Jahre 2000 bei den ausländischen Direkt-investitionen in Thailand unter den europäischen Ländern mit Investitionen von 137 Million Mark den ersten Rang einnahm. Der Gesamtvolumen des deutsch-thailändische Handels erreichte im Jahre 2000 8.736 Millionen Mark (Anmerkung: Der Handel liegt damit wieder in der Nähe des Spitzenwertes von 1996, dem Jahr vor der Krise).

Die deutsch-thailändischen Wirtschaftsbeziehungen sind ein sehr wichtiger Faktor für das Wirtschaftswachstum in Thailand. Wir sind optimistisch, wir denken, dass die deutsche Privatwirtschaft nach wie vor sehr daran interessiert ist, in Thailand zu investieren.

Heute Morgen haben wir zusammen mit dem Ostasiatischen Verein im Rahmen der Berliner Asien-Pazifik-Wochen in der Villa der Thailändischen Botschaft ein Wirtschaftsseminar veranstaltet zum Thema 'Investieren in Thailand'. Viele der Teilnehmer vertraten Firmen, die bereits in Thailand investiert haben, andere hatten Interesse daran, in Thailand zu investieren oder mit Thailand Handel zu treiben.

Für uns ist Deutschland ein sehr wichtiger Partner, deshalb unterhält die thailändische Regierung hier auch ein dichtes Netz von Repräsentanzen. In Frankfurt haben wir das "Foreign Trade Office", die Vertretung des "Board of Investment (BOI)", ebenfalls in Frankfurt das Thailändische Fremdenverkehrsamt (TAT), für diejenigen, die an Geschäftsmöglichkeiten im Tourismussektor interessiert sind. Weiterhin gibt es in Frankfurt die Vertretung unserer nationalen Fluggesellschaft Thai Airways International und sehr bald werden wir dort das neue Generalkonsulat eröffnen, voraussichtlich im Januar 2002.

Und in Berlin sind wir natürlich durch unsere Botschaft vertreten und wir haben hier auch ein Büro des "Foreign Trade Office".

In welchem Ausmass wird der Tourismus, für Thailand einer der wichtigsten wirtschaftlichen Sektoren, von der gegenwärtigen politischen Krise betroffen sein ? Mit welchen Mitteln sollen die Folgen des derzeit zu beobachtenden weltweiten Rückgangs des Tourismus aufgefangen werden ?

Ich kenne die Auswirkungen noch nicht im Detail. Thai Airways International war bisher von den tragischen Ereignissen in New York weniger stark betroffen, denn die meisten Flüge finden in Asien statt oder sind Verbindungen nach Europa, und es gibt nur wenige Verbindungen in die Vereinigten Staaten.

Bisher gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass die thailändische Tourismusindustrie als Folge der tragischen Ereignisse in New York ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen wurde. Aber die amerikanischen Touristen sind die grösste Gruppe unter den Thailandreisenden, danach die Japaner und in stetig zunehmenden Zahl auch Chinesen.

Unabhängig von der aktuellen Situation nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hat das Thailändische Fremdenverkehrsamt in den vergangenen drei bis vier Jahren neue Strategien entwickelt, mit deren Hilfe neue touristische Ziele promoted werden und neue Zielgruppen für das Reiseziel Thailand gewonnen werden sollen.

Wenn es um Thailand ging, dann dachte man immer an Strand, Meer und Sonne, aber darauf wollen wir uns nicht mehr beschränken. Jetzt will man stärker den umweltverträglichen "Ökotourismus" fördern, Thailand als eine erstklassige Lokation für Kongresse, Meetings und Messen herausstellen und hochwertige Pauschalreisen anbieten.

Wir wollen Thailand für neue Zielgruppen attraktiver machen, für ältere Reisende etwa und für Urlauber, die das Naturerlebnis suchen. Wir sprechen nicht mehr nur eine bestimmte Zielgruppe an, sondern diversifizieren unser Marketing, um die Menschen aus anderen Ländern dazu zu bewegen, Thailand zu besuchen.

Ausländische Beobachter haben in letzter Zeit festgestellt, dass in Thailand gelegentlich fremdenfeindliche Stimmem zu hören sind, so etwa im letzten Wahlkampf. Sind dies nur vereinzelte isolierte Stimmen oder handelt es sich hier um eine neue Tendenz in Politik und Gesellschaft Thailands ?

Interviewrunde in der thailändischen Botschaft

Ohne Zweifel, vieles wurde gesagt, insbesondere während des Wahlkampfs. Aber da ist viel Rethorik mit im Spiel. Politiker sind eben Politiker. Was sie während einer Wahlkampagne sagen, ist eine Sache, und wenn sie dann an die Macht gekommen und in der Regierung sind und die Realitäten erkennen, dann sehen die Dinge schon anders aus.

Wenn Sie mich fragen, ob es in Thailand stärkere fremdenfeindliche Stimmungen gibt, dann ist meine Antwort ein ganz klares Nein.

Es mag zwar einzelne Personen geben, Politiker, Geschäftsleute, Akademiker oder wer auch immer, die einen Groll gegen Ausländer hegen. Aber ist gibt in Thailand keine Kultur und keine Tradition der Fremdenfeindlichkeit. Die Thais sind auch nicht historisch vorbelastet, wie etwa Deutschland durch die Zeit des Nationalsozialismus, und ihre Grundeinstellung eher unpolitisch.

Die meisten Thais sind Buddhisten, aber es leben auch Muslims und einige Christen in Thailand. Es gibt bei uns Menschen vieler verschiedener Herkunft, ethnische Chinesen und Malayen zum Beispiel. Viele von Ihnen haben sehr erfolgreiche Karrieren aufzuweisen, einige haben es bis in die Spitze der Regierung gebracht, wie unser ehemaliger Aussenminister, der Muslim ist. Viele unser Top-Unternehmer sind Thais chinesischer Abstammung. Es gibt bei uns keine Rassendiskriminierung oder Diskriminierungen aufgrund der ethnischen Herkunft oder der Religion.

Ein ganz anderes Thema ist allerdings die Bewegung gegen die Globalisierung. Dies ist eine Tendenz, die nicht nur in Thailand anzutreffen ist, auch in Deutschland und Europa gibt es sie. Sie wissen ja, was anlässlich der Konferenz in Genua geschehen ist, oder vorher schon in Vancouver, Kanada.

Man kann hierfür ein gewisses Verständnis haben, vor allem vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Lage der Weltwirtschaft. Insbesondere die Menschen, die über kein festes Einkommen verfügen, leiden in starkem Masse unter den Wirtschaftskrisen und das ruft bei Ihnen heftige Reaktionen hervor. Manche Politker, die Verantwortung tragen, möchten den unter den Folgen des Globalisierungprozesses leidenden Menschen gern einfache Antworten auf die komplexen Probleme geben, Antworten, die in schwarz-weiss gehalten sind und damit manchmal den Menschen, die verzweifelt sind, psychologisch entgegenkommen.

Die Dinge sind jedoch nicht so einfach, dass man nur sagen müsste, Schluss mit der Globalisierung und alles wäre wieder in Ordnung. Nichts wäre dann in Ordnung. Wir wissen alle, dass es positive und negative Aspekte der Globalisierung gibt. Es geht darum zu lernen, wie wir uns anpassen können. Es gibt keine Freifahrkarte, wir können uns nicht nur die für uns positiven Aspekte herauspicken und dann den Preis für die negativen Aspekte nicht zahlen wollen, das wird nicht funktionieren.

Was halten Sie von den Asien-Pazifik Wochen in Berlin ?

Das ist eine sehr wichtige Veranstaltung. Dieses Jahr stand China im Mittelpunkt der Asien-Pazifik-Wochen. Aber auch Thailand und den anderen asiatischen Ländern war ein Tag gewidmet. Leider sind infolge der Ereignisse in New York Veranstaltungen ausgefallen, auch unser Thailandtag war davon betroffen.

Berlin spielt eine wichtige Rolle in der internationalen Gemeinschaft, nicht nur für sich als Stadt sondern für ganz Deutschland. Wir haben an einer Kulturveranstaltung am 21. September 2001 mit einer Künstlergruppe teilgenommen und auch beim "Food Festival" waren wir dabei.

Mit unseren begrenzten Möglichkeiten bemühen wir uns, an derartigen Veranstaltungen mitzuwirken und wir sehen darin eine gute Möglichkeiten, Thailand einem breiterem Publikum nahezubringen.

Was denken Sie über das Image Deutschlands und was über das Image Thailands in Deutschland? Wenn man mit Thais spricht, so stellt man häufig fest, dass sie nur wenig über Deutschland wissen. Es ist kaum bekannt, dass Thailand und Deutschland durch lang währende Beziehungen verbunden sind, seit der Zeit König Chulalongkorns vor über hundert Jahren. Wenn Thais an Europa denken, dann eher an England, an London, aber nicht so sehr an Deutschland.

"Deutschland muss seine Rolle global definieren und nicht nur regional oder europäisch"

Ich glaube, dass daran keine Seite allein die Schuld trägt, es geht beide Seiten an. Thailand und Deutschland müssen hier aktiver werden, um ein besseres und realistisches Bild ihrer beiden Länder im jeweils anderen Land zu vermitteln und bei den Bürgern ein Verständnis des anderen Landes zu entwickeln und mehr über einander zu lernen.

Wenn Sie zurückgehen bis zur Zeit König Chulalongkorns, das sind historische Tatsachen, die man nicht bestreiten kann. Aber ich denke, für die jüngere Generation, für die allgemeine Öffentlichkeit gilt, dass man Deutschland kennt. Sie kennen Mercedes-Benz, BMW, Hugo Boss, sie kennen elektrische Geräte von Braun, die deutschen Hi-Tech Produkte, und natürlich auch Bayern München.

Wenn Sie Thailänder auf der Strasse in Thailand fragen würden, sie würden als dies kennen oder doch mindestens fünf der Dinge nennen können, die ich hier aufgeführt habe, und das ist doch gar nicht so schlecht.

Aber natürlich ist Deutschland sehr viel mehr als nur BMW, Mercedes-Benz und so weiter. Und deshalb ist es sehr wichtig, dass die bilateralen Beziehungen sich nicht nur auf die Wirtschaft, auf Handel und Investment beschränken. Dies ist nicht das einzige, was die beiden Länder miteinander verbindet. Es handelt sich nicht um eine eindimensionale Beziehung. Alle Aspekte sollten stattdessen bedacht werden, besonders auch die sozialen und die kulturellen Aspekte der Beziehungen. Und diese werden auch sehr häufig von den Deutschen vernachlässigt.

Deutschland kann insgesamt eine äusserst wichtige Rolle spielen, um Thailand und den anderen Ländern in unserer Region zu helfen. Thailand könnte stärker als Ausgangsbasis dienen für eine aktivere deutsche auswärtige Kulturpolitik und für eine intensivere Zusammenarbeit in weiteren Feldern, mit der Zielrichtung, die Zivilgesellschaft in Thailand zu stärken. Sie können uns dabei helfen, denn Sie haben so viele politische Stiftungen wie etwa die Friedrich-Naumann Stiftung, die Friedrich-Ebert Stiftung, die Konrad-Andauer Stiftung. Sie können helfen beim Demokratisierungsprozess, in Fragen der Menschenrechte, der Zivilgesellschaft, der Transparenz und Verantwortlichkeit von staatlichen Organisationen.

Aber wann sorgen sich die Deutschen am ehesten um diese Fragen ? Doch eher dann, wenn es um unmittelbare Nachbarn geht, die Länder des ehemaligen Ostblocks, Rumänien, Bulgarien, Polen, die Tschechische Republik, Slowakei, Ungarn. Das ist verständlich, denn Deutschland ist eine Mittelmacht, und die Geschichte hat gezeigt, dass man sich intensiv um die unmittelbaren Nachbarn kümmern muss, denn alles was dort geschieht, betrifft das eigene Land direkt.

Thailand ist dagegen zu weit entfernt für die Deutschen, es geht sie nicht direkt an. Aber wenn Deutschland eine globale Rolle spielen möchte, wenn Deutschland ein Mitglied des UNO-Sicherheitsrates werden möchte, dann muss es seine Rolle global definieren und nicht nur regional oder europäisch. Deutschland muss sein Gesichtfeld erweitern, um einer solchen globalen Rolle gerecht zu werden. Deutschland muss sich im stärkerer Masse einbringen, nicht nur verkaufen und Gewinne machen wollen, sich einbringen nicht nur in den Feldern Technologie, wirtschaftliche Beziehungen, Handel und Investment.

Alle diese Bereiche sind natürlich sehr wichtig, aber es sind nicht die einzigen Bereiche, die dazu beitragen können, die Beziehungen mit den anderen Ländern in der Welt zu stärken. Die kulturelle und die soziale Dimension sind in gleichem Masse wichtig. Und alle diese Aspekte bedingen und verstärken einander. Auf mittlere und längere Sicht kann Deutschland hier einen wichtigen Beitrag leisten.

Deutsche Geschäftsleute haben beispielsweise seit langer Zeit in großen Umfang in Indonesien investiert und haben dort ihre vielfältigen Geschäftinteressen. Das Land lebte lange Zeit unter dem autoritären Regime Suhartos. Es gab keine Streiks und die Arbeiter konnten sich nicht äussern. Alles schien so stabil und so sicher zu sein. Aber als die 32 Jahre vergangen waren, da war der Mann innerhalb von 72 Stunden weg. In der folgenden chaotischen Situation in Jakarta und auf den 2000 Inseln Indonesien waren die Geschäftleute plötzlich sehr besorgt um ihre wirtschaftlichen Interessen. Sie trauten sich jetzt nicht mehr, dorthin zu gehen und zu investieren, denn es gab dort zu viel Instabilität. Hierin zeigt sich der Schwachpunkt eines solchen Regimes.

Wenn man sich dagegen darauf konzentriert, eine offene Gesellschaft und eine starke Demokratie zu entwickeln, auf die Einhaltung der grundlegenden Menschenrechte und die Stärkung der Zivilgesellschaft achtet, dann schafft dies eine wirkliche Garantie für Stabilität und damit auch eine Sicherheit für Investitionen. Nur wenn jemand in sehr kurzen Zeiträumen denkt und nur daran denkt, schnelles Geld zu machen und dann wieder herauszugehen, dann scheint ihm jede beliebige Art von Regimen hierfür geeignet zu sein.

Ich denke, es ist im Interesse Deutschlands, zu sehen, dass Thailand eine offene und demokratische Gesellschaft ist. Und Deutschland kann uns dabei helfen, dass die Demokratie wirklich Wurzeln schlagen kann in Thailand, alle Ihre Stiftungen und die Nicht-Regierungsorganisationen können dabei helfen. Thailand kann so zu einem Modell für seine Nachbarn und für die Region werden.

Um auf Ihre Frage zurück zu kommen, sicherlich kennen wir Deutschland, wir kennen die Bundesliga, wir kennen das deutsches Bier, wir kennen Frankfurt, wir kenne BMW ... Aber ich denke, damit ist es nicht getan, denn wenn Deutschland einen wirklich positive Einfluss ausüben möchte dann sollte es zur Stabilität und zum Fortschritt in unsere Region beitragen, es sollte seine Kooperation ausweiten, auch in anderen Feldern als der Wirtschaft, Handel und Investment.

Nun zu Thailand Image in Deutschland, sind Sie glücklich mit dem Image Thailands?

Es leben viele Thailänder hier in Deutschland, viele von ihnen sind mit Deutschen verheiratet. Manche sind vielleicht auch zunächst illegal nach Deutschland gekommen und haben dann später einen legalen Status erlangen können.

Wie dem auch sei, ich denke, die thailändische Gemeinde in Deutschland hat eine sehr wichtige Rolle und sie kann helfen, Thailand zu repräsentieren. Denn durch die Art, wie die Thais ihr Leben hier in Deutschland leben, beeinflussen sie auch in negativer oder in positiver Weise das Image Thailands bei den Deutschen.

Wenn ich hier mit Thailändern zusammentreffe, dann sage ich ihnen immer, dass sie so etwas wie Botschafter ihres Landes im öffentlichen Leben Deutschlands sind. Ich sage ihnen, was ihr hier in diesem Land tut, kann dazu beitragen, dass unsere Länder einander besser verstehen oder es kann dazu beitragen, dass ein schlechtes Image von Thailand aufgebaut wird.

Es hängt also von jedem einzelnen Thailänder und jeder einzelnen Thailänderin hier ab. Wenn sie ihren gesunden Menschenverstand benutzen und sich hier entsprechend verhalten dann können Sie wirklich da zu beitragen ein besseres Verständnis zwischen Thailand und Deutschland hervorzubringen.

Viele thailändische Frauen sind mit deutschen Männern verheiratet und auch einige thailändische Männer haben deutsche Frauen verheiratet. Diese Tatsache wird auf längere Sicht auch ihre Auswirkungen auf die deutschen-thailändischen Beziehungen haben. Denn diese Thailänder leben als normale Bürger zusammen mit den Deutschen in den Dörfern und den Städten dieses Landes. Und sie sind diejenigen, die den guten Willen der Thais und die thailändische Kultur zeigen können und zu einem besseren Verständnis zwischen ihrem Heimatland Thailand und ihrem Gastland Deutschland beitragen können.

Irgendwann, in fernerer Zukunft wird es hier vielleicht auch einmal einen deutschen Politiker thailändischer Herkunft aus einer deutsch-thailändischen Familie geben. Wenn wir 20 Jahre in die Zukunft schauen, werden die Kinder aus diesen Familien deutsche Stattbürger sein. Sie können Politiker werden oder in anderen wichtigen Positionen dazu beitragen, Brücken zu bauen und ein festes Fundament für die Beziehungen zwischen Thailand und Deutschland zu legen.

Die Benefizveranstaltung für die Opfer der Überschwemmungen in Nordthailand, die kürzlich in Berlin stattfand, könnte der Beginn einer besseren Beziehung sein, denn sie war von Deutschen und Thailändern zusammen organisiert. Hat Ihnen die Veranstaltung gefallen?

Ja, diese Veranstaltung hat mir gefallen. Und darüber hinaus haben Ihre Internet-Webseiten und Ihre Zeitschriften, Print-Medien und elektronische Medien eine sehr wichtige Rolle. Jeder von Ihnen in seinem Bereich und mit seiner Reichweite kann einen Beitrag zum Ausbau der deutsch-thailändischen Beziehungen leisten.

Worin sehen Sie die Gründe dafür, dass eine wachsende Anzahl von Thais hier nach Deutschland kommt ?

Über die Gründe kann ich kein pauschales Urteil abgeben, aber ich denke, dass jeder einzelne, der hierher gekommen ist, seine besondere Gründe haben wird. Viele von ihnen kamen wohl in erster Linie mit der Hoffnung hierher, ihre Lebensbedingungen zu verbessern, eine Arbeit zu finden und ein gesichertes Auskommen zu haben. Insbesondere zu der Zeit, als die Einwanderungsbestimmungen noch nicht so streng waren wie heute, kamen viele aus diesem Grund. Einige kamen sicher auch wegen der Offenheit des Erziehungssystems, um eine freie Ausbildung zu bekommen.

"Irgendwann wird es hier vielleicht auch einmal einen deutschen Politiker thailändischer Herkunft geben"

Und dann gibt auch die weniger willkommenen Aspekte der Einwanderung. Einige wurden, wie sie sagen, hierher gelockt oder in betrügerischer Absicht hierher gebracht, indem man ihnen eine Stelle als Zimmermädchen, als Künstlerin oder Tänzerin versprach. Aber am Ende stellte es sich als Prostitution heraus. Ich bin mir sicher, dass es unter diesen viele gibt, die genau wussten, wozu sie hierher gekommen sind und die beabsichtigen, als Prostituierte hier zu arbeiten. Aber es waren auch einige dabei, die wirklich glaubten, hier eine Arbeitsstelle antreten zu können und die dann in die Prostitution gezwungen wurden, aber das ist vielleicht die geringere Anzahl. Dies ist keine neue Entwicklung, es ist etwas, was bereits seit Jahrzehnten existierte und möglicherweise nur in den letzten Jahren zugenommen hat und zu einem ernsthafteren Problem geworden ist.

Beide Seiten, Deutschland und Thailand müssen sich darum bemühen, derartige Probleme zu minimieren. Mit dem guten Willen beider Seiten für eine bessere Kooperation und mit der Bereitschaft, alle notwendige Maßnahme zu ergreifen und zu versuchen, Vorgängen dieser Art vorzubeugen, kann das Problem zumindest minimiert werden.

Es ganz aus die Welt zu schaffen, scheint mir dagegen eine fast unmögliche Aufgabe zu sein. Denn schließlich ist, wie wir wissen, die Prostitution einer der ältesten Berufe der Welt und existiert schon seit Tausenden von Jahren.

Es gibt eine zunehmende Zahl von deutsch-thailändischen Eheschliessungen in Deutschland und damit einhergehend eine wachsende Zahl deutsch-thailändischer Kinder. Wie kann diesen Kindern geholfen werden, einerseits nicht den Kontakt mit der thailändischen Kultur zu verlieren und sich andererseits erfolgreich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren ?

Dies liegt in erster Linie in der Verantwortlichkeit der Eltern, des Vaters, der Mutter und der anderen Menschen, die sich um die Kinder kümmern, es ist eine Aufgabe der kleinsten Einheit der Gesellschaft und das ist die Familie.

Die thailändischen Gemeinden und die Botschaft versuchen schon seit längerer Zeit, Aktivitäten ins Leben zu rufen, die den Kindern thailändischer Eltern hier in Deutschland helfen sollen, die Verbindung mit der Heimat des Vaters oder der Mutter aufrechtzuerhalten oder erst zu entwickeln.

Es gibt verschiedene Organisationen und Gruppen, von der thailändischen Botschaft über die thailändischen Gemeinden in den Städten bis zu den thailändischen Tempeln in Deutschland, die den thailändischen Kindern und den Kindern aus deutsch-thailändischen Familien helfen können, die thailändische Sprache, thailändische Kultur und thailändischen Lebensstil kennen und respektieren zu lernen.

Einige Male haben wir schon Sommer-Camps organisiert und es kamen Vertreter vom "Office of the National Culture" und Lehrer aus Thailand, die thailändische Sprache unterrichteten, thailändischen klassischen Tanz mit den Kindern übten und ihnen Thai-Boxen und andere thailändische Sportarten zeigten. Dies ist eine Kombination von Unterhaltung, Spaß und Erziehung für die Kinder, die wir in den letzten Jahren schon 3 oder 4 Mal in Berlin und auch an anderen Orten in Deutschland während der Sommerferien anbieten konnten.

Wenn man aber hier eine thailändische Schule haben möchte, die auf regulärer Basis unterrichten soll, dann ist es etwas, was die thailändische Gemeinde zusammen mit deutschen Bürgern, die mit Thais verheiratet sind, organisieren und ins Leben rufen müsste. Wenn man der Meinung ist, dass man hier in Berlin oder an einem anderen Ort eine thailändische Grundschule benötigt, die Unterricht vom ersten bis zum sechsten Schuljahr anbietet und auf Dauer ausgelegt sein soll, dann müsste dies durch die thailändische Gemeinde organisiert und die Mittel hierfür aufgebracht werden.

Die Einbeziehung der Menschen der thailändischen Gemeinden ist äußerst wichtig bei derartigen Projekten. Manchmal ist es jedoch recht schwierig, die Thais dazu zu bewegen, zusammenzuarbeiten. Wir wissen das, es ist nicht gerade in der thailändischen Kultur angelegt, mit vielen anderen harmonisch zusammenzuarbeiten, zu teilen und Vereinbarungen über wichtige Angelegenheiten zu schließen, denn im Grunde genommen sind wir Thais ja sehr individualistische Menschen. Auch dies ist ein Teil der thailändischen Kultur.

Aber ich möchte noch einmal betonen, in aller erste Linie geht es hier um die Verantwortlichkeit der Eltern. Andere Organisationen und Stiftungen können hier Hilfestellungen geben und unterstützen. Doch die Hauptrolle liegt in der Familie.

Im Zusammenhang mit der Immigration nach Deutschland gibt es einige Problemfelder, es gibt illegale Einwanderung, es gibt Partnervermittlungsaktivitäten zweifelhafter Art, manchmal auch organisiert von thai-deutschen Familien. Was kann die thailändische Gemeinde in Deutschland tun um diese Probleme zu beheben?

Zunächst einmal sind hier zwei Seiten im Spiel. Auf der einen Seite Leute, die hier in Deutschland leben. Ich weiss nicht, was deren Strukturen sind, das Netzwerk hier, dass daran mitwirkt, Thais illegal oder mit illegalen Absichten nach Deutschland zu bringen. Auf der anderen Seite gibt es in Thailand Leute, die derartige illegale Aktivitäten organisieren. Sie haben ebenfalls eine Art von Netzwerk, mit Kontakten hierher nach Deutschland.

Hier handelt es sich um ein Problem, dass die Polizeibehörden in Zusammenarbeit und Kooperation beider Seiten angehen müssen, um derartige Organisationen zu zerschlagen. Aber das ist eine Aufgabe für den Staat.

Und die Thailänder, die hier wohnen, was werden sie tun, wenn sie erfahren, dass andere Thais illegal hierher eingewandert sind? Ich denke, sie werden die Sache eher von einem humanitären Blickwinkel aus sehen. Sie werden kaum zu einer deutschen Behörde gehen und Bericht erstatten.

Im allgemeinen ist die Polizei hier in Deutschland in der Vergangenheit auch recht mild gewesen. Wenn man wusste, da waren illegale Immigranten, die vielleicht für einen Billiglohn in einen Restaurant arbeiteten, aber sie haben sich keine ernsthaften Vergehen zu Schulde kommen lassen, dann hat man normalerweise nicht so genau hingesehen.

Aber es muss ganz klar gesagt werden, die thailändische Regierung spricht sich entschieden dagegen aus, dass Thais illegal nach Deutschland kommen. Es ist nicht unsere Politik, den Export von illegalen Immigranten zu fördern. Andererseits haben alle Thais die Freiheit, zu reisen. Wir sind ein demokratisches Land. Wenn sie sich ein Flugticket kaufen können und wenn die deutsche Botschaft ihnen ein Visum gibt, was können wir tun? So gelangen Immigranten hierher mit einem Touristenvisum, aber wenn dann das Visum abläuft und sie das Land nicht verlassen, dann wird es zu einem schwierig zu lösendes Problem.

Ich versuche nicht diese Leute, die illegal nach Deutschland kommen, zu entschuldigen oder zu verteidigen. Ihre Verhaltensweise ist falsch. Aber es fehlen wirklich effektive Maßnahmen, um dieses Problem zu lösen.

Dennoch, wenn sie nichts Kriminelles getan haben, und, obwohl sie illegal nach Deutschland gekommen sind, versuchen, ein ehrliches Leben zu führen und sich ihren eigenen Lebensunterhalt zu erwirtschaften, dann muss dies nicht unbedingt dazu beitragen, ein schlechtes Image von Thailand zu verbreiten.

Was sind Ihre wichtigsten Projekte und Ziele, die Sie sich für Ihre Amtszeit in Berlin vorgenommen haben?

Um ganz ehrlich zu sein, Ich muss mir die Zeit nehmen, um zunächst einmal zu lernen. Ich bin gerade erst im August eingetroffen. Ich werde eine Menge Meetings haben und viel herumreisen und mit den Menschen sprechen. Daher habe ich mir jetzt auch noch keine besonderen Projekte vorgenommen. Ich weiss, dass mein Vorgänger sehr aktiv gewesen ist. Er ist eine sehr dynamische Persönlichkeit, er hat sehr viel getan und die Menschen hier in Deutschland, deutsche Geschäftsleute, deutsche Regierungstellen und Organisationen schätzen seinen Beitrag zu einer stärkeren Kooperation und engeren deutsch-thailändischen Beziehungen.

Fast bin ich ein bisschen besorgt, da ja mein Vorgänger so viel getan hat. Dies ist schon ein schwieriges Erbe für mich. Aber ich werde versuchen, mein Bestes zu geben, um das erfolgreiche Werk meines Vorgänger fortzusetzen. Und währenddessen werde ich versuchen herauszufinden, ob es weitere Felder und Aufgaben gibt, in denen wir die Initiative ergreifen können, um die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Thailand voranzubringen.

Wird die Botschaft Ihren Konsular-Dienst, den sie in der Vergangenheit an verschieden anderen Orten oder auch auf thailändischen Festen angeboten hat, fortsetzen oder sogar ausweiten ? Dies war doch recht nützlich für die hier in Deutschland lebenden Thais.

Ja, ich habe auch davon erfahren, dass den Thais dieser Service sehr willkommen war. Aber wir müssen auf Grund des schmalen Budgets leider versuchen, unseren Gürtel etwas enger zu schnallen. Ich muss daher leider mitteilen, dass wir nicht im Stande sein werden, diesen Dienst regelmäßig anzubieten so wie wir es in den vergangenen zwei Jahren getan haben.

Dies hat ausschließlich finanzielle Gründe, denn die Politik der Regierung ist es jetzt, dass alle Botschaften und alle Regierungsstellen sowohl in Thailand und auch in Ausland so kostengünstig wie nur irgend möglich wirtschaften müssen. Aber derartige Dienste erfordern ein gewisses Budget, um Sie durchführen zu können. Es tut mir wirklich sehr leid, dies zu sagen, so sehr ich auch die Idee befürworte. Vielleicht können wir diesen Dienst gelegentlich anbieten, aber zunächst müssen wir die Situation analysieren und prüfen, ob es wirklich dringend und notwendig ist.

In der Vergangenheit, ohne den mobilen Konsulardienst gab es, soweit ich weiss, keine schwerwiegenden Beschwerden von den Thais, etwa darüber, dass sie ihre Pässe, die erneuert werden müssen, per Post senden mussten oder dass ihre Pässe verloren gegangen wären. Sie haben ihre Pässe stets zurückerhalten. Natürlich muss man darum achten, dass es Regeln gibt, man muss eine Frist von 72 Stunden beachten, und dann bekommt man den Pass auch rechtzeitig wieder zurück. Oder man kann darum bitten, dass der Pass per Kurierdienst geschickt wird und wir werden ihn dann entsprechend zurücksenden, wenn der Empfänger die Gebühren übernimmt. Von Zeit zur Zeit gab kleinere Beschwerden, aber im Allgemeinen haben wir keine Probleme für die Thais geschaffen, die ihre Pässe erneuern wollten oder einen neuen Pass ausgestellt haben wollten.

Für andere Angelegenheit wie z.B. für Scheidungsdokumente, Heiratszertifikate und Legalisierungen müssen die Leute ohnehin hierher kommen. Die Regel in Bezug auf diese Angelegenheiten ist ganz klar und besagt, dass die betreffenden Personen selbst erscheinen und die Dokumente vor dem Beamten im Konsulat ausfüllen müssen.

Sie haben bereits die Eröffnung des neuen Konsulats in Frankfurt zum Beginn des nächsten Jahres erwähnt. Was werden die Aufgaben und die Rolle des Generalkonsulats in Frankfurt sein?

Wie der Name schon sagt, die hauptsächliche Aufgabe werden Konsularangelegenheiten sein wie das Ausstellen von Pässen, Visa, Scheidungs- und Heiratsdokumente, Legalisierungen.

Dann geht es in zweiter Linie um wirtschaftliche Aspekte. Das Generalkonsulat wird die lokalen Märkte beobachten, die ökonomische Situation in Deutschland, die Fakten und Zahlen in Bezug auf Handel und Investment. Es wird Berichte und Analysen erstellen.

Sobald das Generalkonsulat eröffnet worden ist, wird es seine Dienste für Hessen, Nordrhein-Westfahlen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg anbieten. Da die meisten Thais im Westen und Süden Deutschland wohnen, wird dies unsere Konsulatstätigkeiten in Berlin um ungefähr 60 % entlasten. Und wir in Berlin können uns dann mehr auf andere Verantwortlichkeiten und Aufgabengebiete konzentrieren. Zur Zeit ist es so, dass die Thais aus allen Regionen Deutschland hierher nach Berlin kommen müssen.

Welche Pläne hat die thailändische Regierung mit der alten Botschaft und der Botschafterresidenz in Bonn ?

"Die hiesige thailändische Gemeinde muss selbst aktiv werden"

Es wurde schon vor etwa zwei Jahren entschieden, dass die ehemalige Botschaft und die Residenz des Botschafters verkauft werden sollen, und zwar an denjenigen, der uns das beste Angebot unterbreitet. Aber es ist ja bekannt, dass der Immobilienmarkt in Bonn gelitten hat und dass die Preise verfallen, nachdem die Hauptstadt nach Berlin verlegt wurde.

So haben wir zunächst abwarten müssen. Es gab eine Reihe von Firmen und Privatpersonen, die mit uns Kontakt aufgenommen haben und ein Angebot abgegeben haben. Aber wir fanden die Gebote bisher zu niedrig. Da die Situation also noch in der Schwebe ist, werden wir eine Firma beauftragen, nach den Grundstücken zu sehen.

Für das Konsulat in Frankfurt haben wir angesicht der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage nicht die Geldmittel, um ein neues Haus kaufen zu können, wir werden also mieten. Wir haben schon ein Gebäude gefunden, dass uns dort als Generalkonsulat dienen wird und sind kurz davor, einen Vertrag abzuschließen.

Wie kann die Informationsfluss zwischen der thailändischen Botschaft und der thailändischen Gemeinde in Deutschland verbessert werden?

Wir sollten soviel wie möglich an Informationen ins Internet stellen und darüberhinaus können die Informationen auch über die thailändischen Medien in Deutschland verteilt werden. Wir sollten hier zunächst einen bescheidenen Anfang machen, indem wir die offiziellen Mitteilungen und Informationen ins Internet stellen. Als Botschaft ist es unsere Pflicht, diese Informationen einer möglichst breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Nach diesem ersten Schritt sollten wie dann weitergehen, wir möchten von Ihnen Kommentare und Vorschläge zu unseren Publikationen und Inhalten haben. Sie können uns dabei helfen, die Qualität der Informationen und Nachrichten, die die Thailänder hier benötigen, zu verbessern und wir werden uns dann bemühen, diese Information zu liefern.

Viele Thais und Deutscher würden gern einen thailändischen buddhistischen Tempel, wie wir ihn aus Thailand kennen, auch hier in Deutschland haben. Wir haben davon gehört, das es Pläne gibt, einen derartigen "Thai Wat" in Bad Homburg zu bauen. Wir würden gern wissen, wann dieser Wunsch Wirklichkeit werden kann?

Ich habe davon noch nicht gehört. In Bad Homburg gibt es eine Thai Sala, aber von einem Plan, einen thailändischen Tempel zu bauen habe ich keine Kenntnis.

Es gibt ungefähr 40,000 Thais in ganz Deutschland. Ein solches Projekt sollte von der thailändischen Gemeinde hier ausgehen, die deutsch-thailändischen Medien und Gruppen könnten dabei mobilisierend wirken. Mit der Mitwirkung einer Stadt und deren Bürgermeister und Politiker wäre viel gewonnen. Ein thailändischer Tempel könnte natürlich auch zu einer Attraktion werden für die betreffende Stadt.

Wenn es eine gesicherte Anzahl von Menschen gibt, die dieses Projekt unterstützen und auch einen finanziellen Beitrag leisten wollen, um einmal einen Betrag zu nennen, wenn eine Million Mark zusammen gekommen ist, dann können Sie mit uns Kontakt aufnehmen und wir werden unserer Regierung über das Vorhaben berichten. Wir werden sagen "Schaut her, wieviel Geld diese Menschen schon aus ihre eigenen Tasche ausgebracht haben. Wie können wir ihnen helfen?"

Wenn schon ein Grundstück angeboten wurde, ist dies zwar ein guter Anfang, aber auch dann wird noch sehr viel Geld benötigt, um diesen Tempel zu bauen. Man muss das Material von Thailand hierher bringen. Man muss vielleicht Leute von Silapakorn (Department of Fine Art) hierher bringen, Menschen, die wissen, wie man einen Tempel baut. Und dann muss sicherlich auch der Staat, also die Regierung von Thailand einbezogen werden.

Aber die Frage ist, wie können Sie für die Regierung einen Anreiz schaffen, sich für dieses Vorhaben zu interessieren? Zunächst wird man erwarten, dass, die hiesige thailändische Gemeinde selbst aktiv wird, ansonsten wird man sich fragen, warum es bei einer doch recht starken thailändischen Gemeinde keine eigenen Anstrengungen, sondern lediglich verbale Absichtsbekundungen gibt. Aber wenn wir sehen, dass schon ein gewisser Betrag zusammengekommen ist und sie brauchen vielleicht noch eineinhalb oder zwei Millionen Mark, dann sollte die Regierung darüber nachdenken, ob sie dabei helfen will oder nicht. Zur Einrichtung eines Wat Thai (Thai Tempel) ist eine Genehmigung von der zuständigen deutschen Behörde zu beantragen.

© thailife.de
Alle Fotos: KhunJohn & FARANG Magazin
 

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