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Archiv 2001

Ein Besuch bei der Boonthariga Thai Dramatic Schule in Stuttgart

'Internationales Mädchenclubheim" war auf der Tafel am Eingang des alten Hauses in der Stuttgarter Urbanstrasse, die auf einem Hügel hoch über der Innenstadt der baden-würthembergischen Metropole liegt, zu lesen.

Für einen Moment waren wir nicht sicher, hier die Räume der "Boonthariga Thai Dramatic School" zu finden, jener thailändischen Tanz- und Kulturgruppe, die wir durch ihre beeindruckende Vorführung auf der Feier zu Ehren des Königsgeburtstags im Dezember letzten Jahres in Bonn kennengelernt hatten.

Aber als die Tür sich öffnete, war sofort eine typisch thailändische zwanglose Atmosphäre zu spüren. Eine Gruppe thailändischer Frauen sass rund um einen grossen Tisch und war damit beschäftigt, aus Draht und verschiedenfarbigem Nylonstrumpf-Gewebe filigrane Blumen zu fertigen. Kinder verschiedener Altersstufen spielten um sie herum.

Eine Thailänderin kam, uns in Empfang zu nehmen und lud uns ein, auf dem Sofa Platz zu nehmen. Bald konnten wir Khun Boonthariga, die Thai-Tanzlehrerin und Khun Walawal Albrecht, Sprach- und Kunstlehrerin begrüssen.

Nachdem wir uns miteinander bekannt gemacht hatten, nahm Khun Walawal das Fotoalbum der Schule zu Hand, und indem sie uns die Bilder und Zeichnungen des Album zeigte und erklärte, begann sie, uns von ihrem Schulprojekt zu berichten.

"Unsere Schule wurde im Jahre 1996 gegründet. Aber damals hatten wir noch keine eigenen Räume. Wir sprachen mit dem Besitzer des Restaurant "Chiang Mai" und er erlaubte uns, die Räumlichkeiten des Restaurants zu nutzen. Unsere Schüler waren Kinder, Teenager und Erwachsene. Die Lehrerinnen "Koi" und "Anna" arbeiteten zusammen mit mir in dem Projekt. Wir hatten zwei Gruppen von Schülern. Die erste Gruppe lernte nur Thailändisch zu sprechen, die zweite lernte auch, Thailändisch zu schreiben und zu lesen. Später wurde dann das Restaurant geschlossen, und wir mussten unsere Aktivitäten unterbrechen und uns auf die Suche nach neuen Räumen begeben.

Zur gleichen Zeit organisierte Khun Boonthariga eine thailändische Kulturvorführung an der Volkshochschule, eine traditionelle thailändische Hochzeitszeremonie. Ursprünglich sollte es lediglich eine kurze Vorführung eines traditionellen thailändischen Tanzes mit ein oder zwei Tänzerinnen geben, aber dann hatte Frau Boonthariga eine viel bessere Idee. Wir formierten uns zu einer kleinen Tanzgruppe. Viele Thais, die von dem Vorhaben gehört hatten, kamen um uns zu helfen, ohne dass wir sie darum bitten mussten. Und so konnten wir eine authentische thailändische Hochzeitszeremonie vorführen, mit "Klong Yao" (grosse Trommeln) Parade, Tänzen und Hochrufen auf das Paar. Es wurde eine sehr schöne Vorführung, und sie gefiel den Zuschauern sehr", erzählte sie uns, während wir uns die Bilder anschauten.

"Während des Jahres 1998 konnten wir keine Aktivitäten unternehmen, da die Räume des Restaurants uns nicht mehr zur Verfügung standen. Damals arbeitete ich für das "Fraueninformationszentrum Stuttgart". Die Leiterin des Zentrums riet mir, bei dem Verein "Internationale Jugendarbeit" (VIJ) anzufragen, ob wir dessen Räume benutzen dürften. Wir nahmen Kontakt mit dem Verein auf, und wir hatten das Glück, hier in der Urbanstrasse eine neue Unterkunft für unsere Schule zu finden. Die Räume waren ursprünglich für den "Frauennachmittag" eingerichtet worden, ein Angebot für ausländische Frauen, sich hier zu treffen und auszutauschen und ihre Arbeits- und Lebensbedingungen miteinander zu besprechen.”

Frau Walawan lebt bereits seit vielen Jahren in Deutschland. Am diesjährigen Valentinsag konnte sie ihren 14. Hochzeitstag zusammen mit ihrem deutschen Ehemann feiern. In Thailand hatte sie Kunst studiert. Nach ihrem Umzug nach Deutschland arbeitete sie zunächst in einer Firma, die Aufkleber herstellte. Nach zwei Jahren entschloss sie sich, ihre beiden Kinder zu sich nach Deutschland zu holen. Sie musste aufhören, zu arbeiten, um sich ganz um die Kinder kümmern zu können. "Denn damals konnten sie noch kein Deutsch sprechen und ich musste mich intensiv um sie kümmern und ihnen dabei helfen, sich in Deutschland zurechtzufinden. Da war es nicht möglich, zusätzlich noch arbeiten zu gehen. Aber jetzt sind sie erwachsen geworden und ich bin wieder ins Berufsleben zurückgekehrt und unternehme sehr viele verschiedene Aktivitäten", erzählt sie.

"Meine Motivation rührt hauptsächlich daher, dass ich soviele thailändische Kinder in Deutschland gesehen habe, die kein Thai sprechen können. Das finde ich sehr schade. Ich fühle mich als thailändische Patriotin und ich bin sehr stolz auf unsere Kultur. Ich habe mein Studium der Kunsterziehung an Poh Chang Arts Institute in Bangkok abgeschlossen. Nach meinem Examen war ich zunächst Lehrerin. Dann ging ich auf die Philippinen, um dort Zeichnen und Malerei zu studieren. Ich liebe Kinder und und ich unterrichte sie gern. All dies hat mich dazu ermutigt, in unserem Projekt aktiv zu werden. Während meines Studiums hatte ich auch recht gute Noten im Fach "Thailändische Sprache" und deshalb war ich überzeugt, auch die Thai Sprache unterrichten zu können.

Ich habe mit meinen Kindern nie Deutsch gesprochen, ich spreche immer Thai mit ihnen. Jetzt können beide, mittlerweile 23 und 19 Jahre alt, gut Thai sprechen, lesen und schreiben. Und natürlich können sie auch Deutsch. Diese Erfahrung hat mich in meinem Wunsch bestärkt, ich wollte sehen, dass thailändische und deutsch-thailändische Kinder hier in Deutschland die thailändische Sprache erlernen. Ich hörte von einer thailändischen Schule in Düsseldorf, die Khun Ning dort eröffnet hatte, und so kam ich auf die Idee, auch in Stuttgart eine solche Schule zu eröffnen. Und schliesslich haben wir diese Idee Wirklichkeit werden lassen."

"Am Anfang konnten wir nur Aktivitäten für Kinder anbieten. Wir hatten zunächst noch keine Kurse für Thai Tanz, denn wir waren uns nicht sicher, wieviele Menschen daran Interesse haben würden. Aber nachdem wir die Tanzkurse angekündigt hatten, kamen immer mehr Leute, Erwachsene und Kinder zu uns. Und so beschlossen Khun Boonthariga und ich, unsere Kurse für klassischen thailändischen Tanz zu beginnen, für Erwachene, Kinder und auch für Menschen, die nicht aus Thailand stammen. Gerade eben sind zwei neue aus Griechenland stammende Schülerinnen dazugekommen."

"Wir bieten auch Unterricht im Kunsthandwerk an. So können die Mütter, die ihre Kinder zu uns bringen, zusammen in der Gruppe lernen, etwas schönes und nützliches zu gestalten, anstatt bloss hier zu sitzen, zu warten und ihre Zeit zu verschwenden. Sie lernen bei uns künstlerische Techniken, wie zum Beispiel das Fertigen von Blumen aus textilen Materialien. Sie müssen weder für den Kurs noch für das Material einen Kostenbeitrag zahlen. Lediglich wenn sie die fertigen Produkte mit nach Hause nehmen möchten, müssen sie dafür das Material selbst kaufen, und wir zeigen Ihnen dann, wie sie damit ihre Ideen am besten umsetzen können. Nach dem Ende der Kinderkurse können die Frauen dann selbst an Frau Boontharigas Tanzkurs teilnehmen."

"Bald werden wir auch eine Glasmalerei-Kurs anbieten können, wir sind gerade dabei, ihn vorzubereiten. Ich würde auch gern Zeichnen und Malen unterrichten, wenn sich dafür Interessentinnen finden. Ich denke dabei an thailändischen Malstile und Muster, die nützlich für Thais sein können.Auch Deutschkurse für Thais bieten wir an, die Lehrer sind Deutsche. Thailändisch für Deutsche wird derzeit nur in Kursen an der Volkshochschule angeboten. Hier können wir leider keine Kurse für die Ehemänner der Thailänderinnen anbieten, da wir die Räumlichkeiten einer Frauenorganisation benutzen, die nur für Aktivitäten für Frauen bestimmt sind," erklärt sie.

Für Frau Walawal wurde es Zeit, mit ihrem thailändischen Sprachkurs zu beginnen. Die Kinder warteten schon ungeduldig auf sie in dem kleinen Klassenraum. Jetzt hatten wir Gelegenheit, mit Frau Boonthariga, der Tanzlehrerin der nach ihr benannten Schule zu sprechen.

Seit ihren Kindheit ist sie vom thailändischen Tanz und von allen Spielarten der dramatischen Kunst ihrer Heimat begeistert. So war es nur folgerichtig, dass sie erfolgreich die Aufnahmeprüfung absolvierte für die "Schule für Klassischen Thailändischen Tanz", die der Abteilung für Schöne Künste des Erziehungsministeriums unterstand. "Damals hatten viele Menschen in Thailand keine besonders positive Meinung über eine Karriere als professionelle Tänzerin. Aber heute ist der klassische thailändische Tanz in aller Welt bekannt und wird als Kunstform akzeptiert und bewundert", erklärt Frau Boonthariga.

"Ich kam im Jahre 1974 nach Deutschland durch die vermittlung eines deutschen Architekten, der Thailand besucht hatte und sich für die thailändischen Restaurants interessierte, die den ausländischen Gästen Tanzvorführungen während des Essens boten. Er kam auf die Idee, diese Art von Darbietungen auch im Restaurant "Baan Thai" zu veranstalten, das seinerzeit das erste Thai Restaurant in Berlin war. Zu der Zeit hatte ich bereits drei Jahre als Lehrerin für traditionellen Thai Tanz an der Khemasiri Anusorn Schule gearbeitet.

Es war üblich, dass Leute, die klassischen Tanz studiert hatten, auch abends arbeiteten. Wir hatten Jobs als Tänzerinnen in guten Restaurants wie dem "Piman" oder "Baan Thai Restaurant" in Bangkok. Der Architekt bot mir und drei weiteren Tänzerinnen an, für ein Jahr nach Berlin zu kommen und dort im " Baan Thai" Restaurant zu arbeiten. Ich dachte mir, ein Jahr wäre kein Problem für mich. Ich bat um eine Beurlaubung von meiner Unterrichtstätigkeit an der Schule. Aber nachdem wir ein Jahr dort im Restaurant gearbeitet hatten, hatte sich das Geschäft des Restaurants so erfolgreich entwickelt, dass uns angeboten wurde, für ein weiteres Jahr zu bleiben.

Nach diesen beiden Jahren wollte ich gern die deutsche Sprache lernen, denn ich konnte noch immer kaum ein Wort Deutsch. Und ich merkte auch, dass es mir nicht leicht fallen würde, nach diesen Jahren in Deutschland wieder nach Thailand zurückzukehren und so wie vorher wieder als Schullehrerin zu arbeiten. So blieb ich und lernte Deutsch und arbeitete gleichzeitig.

Die folgenden zehn Jahre habe ich nicht mehr getanzt. Später arbeitete ich in der Schmuckabteilung des "Kaufhof" Eines Tages hörte ich davon, dass die Lufthansa jemanden suchte, der klassische Thai Tänze vorführen konnte. Man wollte einen Werbespot produzieren und ich bekam den Job dann. Da haben einige Leute davon erfahren, dass ich eine ausgebildete Thai Tänzerin war und das hat mir dann die Möglichkeit eröffnet, wieder zu meiner eigentlichen Profession zurückzukehren. Dann und wann kamen die Leute auf mich zu und baten mich, auf Geburtstagsfeiern oder zu anderen Anlässen zu tanzen. Später haben ich dann geheiratet und unsere Kinder kamen. Alles in allem bin ich schon über zwanzig Jahre in Deutschland", berichtet Boothariga über ihr Leben.

Als sie für die Kaufhauskette arbeitete, wurde Frau Boonthariga eines Tages in die Stuttgarter Filiale geschickt. Hier traf sie dann Ihre Kollegin Khun Walawal. Sie war froh, als sie hörte, dass Frau Walawal an der Kunsthochschule studiert hatte. Schon bald beschlossen beide, zusammen eine thailändische Kunstschule ins Leben zu rufen.

"Wir besprachen uns und waren uns einig, dass wir unser Bestes tun wollten, um den Menschen ein positives Bild von Thailand und der thailändischen Kultur zu vermitteln. Wir gründeten dann die "Boonthariga Thai Dramatic" Schule, denn wir hatten genug Interessenten und wir wurden oft gefragt, ob es eine Tanzgruppe gäbe und wieviele Tänzerinnen wir wären. Den Namen für unsere Schule hatten wir gewählt, weil wir dachten, man kann ihn leicht aussprechen und sich leicht merken."

"Wir haben jetzt zwischen sechs und acht Kindern und ungefähr zehn Erwachsene, die regelmässig an den Kursen teilnehmen. Aber wenn wir eine Vorstellung oder eine grössere Veranstaltung organisieren, dann können wir auch zwanzig Tänzerinnen zusammenbringen", erzählt Boonthariga. "Ich möchte die thailändischen Frauen, die Interesse an thailändischer Tanzkunst und Kunsthandwerk haben, einladen, zu uns zu kommen. Vielleicht wissen viele von ihnen noch nicht, dass es für sie in Deutschland die Möglichkeit gibt, diese Aktivitäten zu erlernen und auszuüben. Sie sind bei uns herzlich willkommen."

"Üblicherweise dauert ein Tanzkurs bei uns ungefähr drei Monate. Wir sind jetzt in der glücklichen Lage, vom "Verein Internationale Jugendarbeit" (VIJ) unterstützt zu werden. Deshalb brauchen unsere Schülerinnen derzeit keinen Beitrag zu zahlen. Aber wenn uns der eine oder andere noch zusätzlich unterstützen könnte, wären wir darüber sehr froh, denn diese würde uns erlauben, unserer Aktivitäten auszuweiten."

""Ein Studium des klassischen Tanz in Thailand ist keine einfache Angelegenheit. Es kostet einen ganze Menge Geld und manche Familien können sich dies nicht leisten. Es gibt viele Kinder und Jugendliche, die gern thailändischen Tanz studieren möchten, aber sie haben keine Gelegenheit dazu. Ich bin sehr glücklich darüber, dass so viele an dieser Kunst interessiert sind und zu mir kommen. Und ich freue mich darüber, dass ich jetzt wieder das unterrichten kann, was ich am meisten liebe. Besonders wichtig finde ich es, die Möglichkeit zu schaffen, die thailändische Sprache zu erlernen. Manche Kinder und Teenager, die nach Deutschland gekommen sind, können gar nicht mehr Thai sprechen nachdem sie sich zwei oder drei Jahre hier aufgehalten haben. Das ist ein grosser Verlust! Und dies ist auch der Grund, warum wir unsere kleine Schule eröffnet haben für alle diejenigen, die an unserem Angebot interessiert sind."

"Wenn du eine Chance erblickst, warum solltest du sie dann nicht ergreifen ? Als ich eine junge Studentin war, war ich jedes Mal sehr glücklich darüber, wenn ein Lehrer mich auswählte, bei einer Veranstaltung thailändische Tänze vorzuführen. Ich wusste, das war meine Chance, und diese Art von Chancen würden nicht sehr häufig kommen," erinnert sich Khun Boonthariga. "Ja, ich denke, unsere Arbeit ist nicht nutzlos, der thailändische Tanz kann unsere Kultur repräsentieren und auch für unser Land werben."

Am Ende unseres Gespräches gibt Khun Boonthariga ihre Hoffnung Ausdruck, dass es in der Zukunft einmal einen Verein für thailändischen traditionellen Tanz in Deutschland geben würde, in dem sich alle Thais, die die klassische thailändische Tanzkunst erlernt haben, zusammenschliessen können. "Solch ein Verein könnte bei der Verbreitung und beim Unterricht des thailändischen Tanzes helfen, und die Künste und Traditionen auf die wir Thais, die in anderen Länden leben, so sehr stolz sind, fördern und am Leben halten."

Khun Boonthariga ging, um ihren Tanzkurs für die Kindergruppe zu beginnen und wir hatten Gelegenheit, mit einigen ihrer Schülerinnen zu sprechen.

Eine von ihnen, ihr Name ist Jaruek, erzählte uns etwas über ihre Erfahrungen in der Schule. "Ich stamme aus Nakhon Si Thammarat. Jetzt lebe ich in Stuttgart. Ich hörte von diese Schule, als ich in den Asia-Shop ging um Essen einzukaufen. Da traf ich eine andere thailändische Frau und sie erzählte mir über die Schule, und so entschloss ich mich, hierher zu kommen. Wenn man zu diesem Treffpunkt kommt, hat man auch den Vorteil, dass man Hilfe und Informationen bekommen kann, zum Beispiel, wenn man sich um ein offizielles Dokument von der thailändischen Botschaft bemühen muss. Ich bin schon mehr als einen Monat dabei. Am meisten macht es mir Spaß, Blumen herzustellen. Ich kann sie benutzen, um unser Haus zu dekorieren. Ich möchte auch die anderen thailändischen Frauen, die hier in die stuttgarter Gegend leben, einladen, zu uns zu kommen. Hier können wir uns treffen und zusammen etwas sinnvolles tun in unserer Freizeit."

Eine andere Schülerin ist Daeng. Sie kam aus der Provinz Surat Thani nach Deutschland, wo sie schon bereits mehr als acht Jahre lebt. Nachdem sie einige Jahre in Deutschland gearbeitet hat, kümmert sie sich jetzt um ihre kleine Enkeltochter. Sie erzählt uns, dass ihr die Aktivitäten in der Schule sehr viel Spaß machen und sie freut sich, hier etwas neues für sich lernen zu können.

Nachdem wir mit den älteren Schülerinnen gesprochen hatten, wollten wir auch einmal die kleinen Schüler fragen, was sie über ihre Schule denken. Ein kleiner Junger kam auf uns zu. Aber lernen und tanzen macht doch sehr hungrig, und bevor wir ihm eine Frage stellen konnten, nahm er sich erst einmal ein Stück Pizza und schien sich zunächst gar nicht um die Fremden kümmern zu wollen, die gekommen waren, um seine Schule zu besichtigen.

Aber als er seine Pizza vertilgt hatte, sprach der einzige Junge, der an diesem Tag mit der Kinder-Tanzgruppe zusammen probte, schließlich doch mit uns.

"Mein Name ist Benjamin Horvat. Ich bin sieben Jahre alt. Ich lebe in Löfingen mit meinen Eltern. Mein Vater ist Deutscher und meine Mutter ist Thai. Und sie hat mich zu dieser Schule gebracht. Sie hat mir erzählt, dass ich hier die thailändische Sprache lernen kann und auch klassischen Tanz. Es macht mir grossen Spaß. Besonderes gut gefällt mir der Bua Khao Tanz (Weißer-Lotus-Tanz). Unsere Lehrerin Khun Kru Boonthariga ist sehr nett zu uns."

Benjamins Mutter, erzählte uns, dass Benjamin ein sehr scheuer Junge war. "Aber eines Tages kam er mit einem Mikrofon und erzählte ihr, dass er an einem thailändischen Gesangwettbewerb beim Loy Kratong Fest in Stuttgart teilnehmen wollte. Das war letztes Jahr, und er überraschte uns alle sehr, als er den ersten Preis gewann, weil er das thailändische Lied so sehr gut und in ganz klarem Thai singen konnte. Er war auch der jüngste Teilnehmer des Wettbewerbs."

Als nächstes sprachen wir mit einem Mädchen, deren gelungene Vorführung auf der Feier des Königsgeburtstags in Bonn im Dezember letzten Jahres wir noch in guter Erinnerung hatten.

Sie stellte sich selbst in perfektem Thai vor. "Mein Name ist Janjira Sakmak. Ihr könnt mich Sandy nennen. Ich bin sieben Jahre alt. Meine Mutter erzählte mir von dieser Schule und dann brachte mich meine Großmutter hierher. Ich habe schon vor einigen Jahren angefangen, tanzen zu lernen. Mir gefallen alle möglichen Arten von thailändischen Tanz. Jetzt üben wir gerade den "Bua Khao Tanz" (Weisser-Lotus-Tanz) und den "Fon Ngiau" Tanz (Tanz eines nordthailändischen Bergvolkes) ."

"Ich habe schon bei vier Tanzvorführungen mitgemacht. Wenn ich gross bin, möchte ich gern eine professionelle Tänzerin für klassischen thailändischen Tanz werden, so wie meine Lehrerin Khun Kru Boonthariga," erzählt sie uns voller Stolz.

Bevor wir uns verabschieden müssen, sagt uns Khun Boonthariga noch, dass Einzelpersonen oder auch Gruppen, die gern thailändischen Tanz lernen möchten, mit ihr Kontakt aufnehmen können. Sie ist bereit, Tanzkurse auch in anderen Städten zu bezahlbaren Preisen anzubieten.

Auch jeder, der dieses Projekt gerne unterstützen möchte, kann dies tun, indem er Lernmaterial, wie zum Beispiel geeignete thailändische Musikkassetten, Kostüme, Videos usw. spendet.

Saisuda und John Pohl
© Alle Fotos: KhunJohn

Wer an den Aktivitäten der Boonthariga Thai Dramatic School interessiert ist, kann sich wenden an:

Khun Walawal Albrecht Tel. (0711) 9371915 Fax (0711) 9371914
Khun Boonthariga Tel. (07031) 280397 Handy (0177) 2750475

 

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