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Archiv 2000

Feier zum 73. Geburtstags des Königs von Thailand
am 9. Dezember 2000 in Berlin

Am 9. Dezember 2000 veranstaltete der Thai Studentenverband in Deutschland zusammen mit in Berlin lebenden Thais die (neben der Veranstaltung in Bonn) zweite grosse Feier zum 73. Geburtstag Seiner Majestät König Bhumipol von Thailand. Die thailändischen Studenten und viele weitere Helfer und Helferinnen hatten viel Arbeit und Mühe investiert, um dieses Ereignis vorzubereiten. Und die Mühe hat sich gelohnt. Die Kreativität und die vielfältigen Talente der vielen Mitwirkenden machte die Feier zu einem schönen und gelungenen Abend.

Veranstaltungsort war das 'Ballhaus Rixdorf Studios', eine alte Tanzhalle im berliner Bezirk Kreuzberg.

Der Taxifahrer, der uns dort hinbringen sollte, hatte Schwierigkeiten, das in einem Hinterhof gelegene Ballhaus zu finden. Aber bald sahen wir die vielen Grüppchen von Thais und Deutschen, die auf dem Weg zum Fest waren, und als wir die grosse thailändische Flagge am Eingang des Gebäudes sahen, wussten wir dass wir hier richtig waren.

Schon bald wurde es voll im alten, in die Jahre gekommenen Ballhaus, dem man noch heute den Glanz vergangener Tage ansieht.

Anmut des klassischen thailändisches Tanzes gezeigt von Tanzgruppen aus Berlin und Goettingen


Seine Exzellenz Kasit Pirom, Botschafter Thailands

Dieses Fest war eines der schönsten thai-deutschen Events, die wir in diesem Jahr besucht haben und es schien, als wollten die berliner Thais beweisen, dass Berlin nicht nur wieder deutsche Hauptstadt ist, sondern auch die Haupstaft thailändischen Lebens in Deutschland.

Junge Tänzerinnen der Patarawadee Thai Dance School

Das Abendprogramm begann mit klassischem thailändischen Tanz.

Die Tänze wurden sehr kunstvoll und professionell aufgeführt von der Jugendgruppe des thailändischen Tempels Wat Buddhavihara in Berlin.

Lehrer der Gruppe ist Khun Jum vom 'Malai Thong Thai' Restaurant in Berlin.

Seine Exzellenz Kasit Piromya, Thailands Botschafter in Deutschland sprach im Namen der Thais in Deutschland die Glückwünsche für König Bhumipol bevor gegen 19:30 der König mit einer Kerzenzeremonie geehrt wurde. Mit brennenden Kerzen in der Hand wurde das Lied "Sadudee Maharacha" (Lob des grossen Königs) gesungen und mit einem dreifachen 'Chai Yo!' Ruf beendet.

Es folgten weitere Tanzvorführungen einer Gruppe aus Göttingen und der "Patarawadee Thai Dramatic School" aus Berlin, ein Projekt des "Thailändischen Vereins in Berlin e.V.". Die Gründung dieser neuen Schule war eine Idee der bekannten thailändischen Schauspielerin Patarawadee Meechuthon, die im September 2000 nach Deutschland gekommen war und in Berlin Unterricht im thailändischen Tanz gegeben und zusammen mit dem Verein dieses Projekt initiiert hat.

Eine weitere Darbietung war 'Lao Kratob Mai' (etwa: "Lao schlagen die Hölzer zusammen") einer Tanzgruppe aus Göttingen. Dies ist ein schneller und aufregender Tanz und die Tänzerinnen benötigen ihre ganze Geschicklichkeit und Konzentration, da sie mit ihren Füssen zwischen den Holzstangen tanzen, die dabei beständig und immer schneller zusammengeschlagen und wieder geöffnet werden.

Weitere Highlights waren die Musikgruppe "Siam Band" und der Fotowettbewerb 'Thai Life in Germany'. Trotz einiger anfänglicher technischer Schwierigkeiten konnten schliesslich die Fotos mit einem Projektor gezeigt werden. Das Publikum entschied mit seinem Beifall, welches Foto am besten gefiel. Gewinner des Wettbewerbs wurde auf diese Weise ein Foto, das eine Szene aus dem thailändischen Tempel Wat Buddhavihara in Berlin zeigte.

Eine Vielzahl von Sängern der beliebten "Thai Cafes" in Berlin, wie z.B. dem "Bang-Ern Cafe" unterhielt die Gäste mit Lukthung und Morlam live Musik.

Nach dem Fotowettbewerb wurde die von thailife.de produzierte Multimediapräsentation 'König Bhumibol, Vater der Nation' gezeigt.

Der lustigste Beitrag des Abends war eine Debatte zum Thema "'Als Thai in Thailand leben oder in Deutschland - was ist besser?". Angetreten war ein Team der thailändischen Studenten (pro Thailand) gegen ein Team von Thais aus Berlin (pro Leben in Deutschland). Nachdem mit grossen Spass und rethorischen Einsatz alle möglichen (und unmöglichen) Argumente vorgetragen worden waren, konnte kein Sieger der Debatte festgestellt werden, so überzeugend hatte jede Seite Ihre Argumente vorgetragen. Und so einigte man sich schliesslich darauf, dass die persönliche Zufriedenheit von jedem einzelnen abhängt und dass Thais, wo immer sie auch hingehen, ihre "Sanook" Mentalität mitnehmen. Und natürlich werden sie ihre Heimat Thailand niemals vergessen.

Währenddessen schauten sich Khun Suntarya, ehemalige Präsidentin des Thai Studentenvereins in Deutschland und Khun Saisuda von thailife.de nach Gästen um, die mit schöner traditioneller thailändischer Kleidung gekommen waren. Viele Besucher hatten sich für diesen besonderen Anlass im Thai Stil gekleidet, auch einige Deutsche, und so war es für die beiden keine leichte Aufgabe, die Gäste mit der schönsten Thai-Kleidung zu finden.

Die beiden ersten Preise gingen schliesslich an Dr.med. Suamchok Kanokwichitra aus Hagen und an Khun Yupapan, thailändische Studentin aus Hamburg.

Herr Suamchok, eine unter den Thais in Deutschland sehr bekannte Persönlichkeit stellte an diesem Abend auch sein neues Buch "Deutsch für Thais" vor. Das Buch basiert auf einer Artikelserie über das Deutschlernen, die er für die Zeitung "Schau-Thai" geschrieben hat. Schau-Thai ist eine monatlich erscheinende Zeitschrift für Thais in Deutschland und Europa.

Später am Abend gehörte die Bühne Parinya Thewanarumitrkul, Präsident des Thai Studentenvereins und den Thai Studenten und ihrer Klong Yao Thai Musik. (Klong Yao heissen die Trommeln, die in dieser Musik eine wichtige Rolle spielen).

Spass und Vergnügen mit "Num Ram Wong" Tanz gab es zum Ausklang des Abends. Und viele der weiblichen Gäste nahmen die Gelegenheit wahr, die jungen Männer des Thai Studentenverbands, die auf einer Reihe von Stühlen vor der Bühne sassen, zu einem Tanz einzuladen.


Klong Yao Thai Musik

Wir danken dem Thai Studentenverband und den Thais in Berlin, die dieses schöne Fest möglich gemacht haben, ein Fest, das gezeigt hat, dass Thais in Deutschland auf ihre Kultur und ihre Nation stolz sind.

Num Ram Wong

Und für die Deutschen sind gelungene Veranstaltungen wie diese eine gute Gelegenheit, etwas von thailändischer Kultur, Traditionen und "thai lifestyle" mitzuerleben.


"Wirtschaft und Politik Thailands nach der Wahl" - Eine Diskussion in der Bibliothek der thailändischen Botschaft

Diskussion, königlich-thailändische Botschaft in Berlin

Am Nachmittag vor der abendlichen Feier im Rixdorf Ballhaus veranstalteten die thailändischen Studenten zusammen mit der thailändischen Botschaft eine Podiumsdiskussion zu Thema "Wirtschaft und Politik Thailands nach der Wahl" in der Bibliothek der Botschaft. (am 6. Januar finden in Thailand Wahlen statt)

Teilnehmer waren der thailändische Botschafter Kasit Pirom, Dr. Sander von der Freien Universität Berlin und Khun Parinya Thewanarumitrkul, Präsident des Thai Studentenvereins in Deutschland und Dozent an der Thammasart University in Bangkok. Moderatorin war Frau Suntariya Muanprawong, die ehemalige Präsidentin des Studentenvereins und jetzt Richterin in Thailand.


Dr. Sander, Freie Universität Berlin

Dr. Sander gab einen positiven Ausblick auf die Situation Thailands nach den bevorstehenden Wahlen. Er beschrieb den Prozess der Demokratisierung und der Entwicklung der "Zivilgesellschaft" in Thailand als stabil und unumkehrbar. Er stellte fest, dass Thailand, verglichen mit vielen anderen Ländern, trotz aller Probleme und Schwierigkeiten sehr erfolgreich ist in seinem sehr schnellen Veränderungs- und Modernisierungsprozess.

Heute haben die Thais sehr viel mehr Rechte als früher und sie können ihre Meinung frei kundtun. Die Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) spielen eine immer wichtigere Rolle in der thailändischen Gesellschaft.


Khun Parinya Thewanarumitrkul

Der Schwachpunkt, der zu einer Gefährdung der Stabilität führen könnte, ist seiner Ansicht nach das Ungleichgewicht zwischen den unterentwickelten und armen ländlichen Regionen und den Städten und industriellen Zentren.

Khun Parinya sah die Situation Thailands in einem anderen Licht. Er sagte, die Thais dürften sich nicht allzuviel erwarten von der kommenden neuen Regierung, die thailändische Politik würde sich ohnehin kaum ändern. Die Thais sollten sich besser selbst helfen und auf ihre eigenen Ressourcen, Kräfte und Ideen vertrauen.

Seiner Ansicht nach hat sich Thailand in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht in eine falsche Richtung entwickelt. Er fragte die Zuhörer, ob Thailand nicht zunächst innehalten und seine eigene Situation analysieren sollte, bevor das Land den Versuch unternehme, auf den globalen Märkten um seine Position zu kämpfen und zu konkurrieren. Anstatt blind den Empfehlungen der Weltwährungsfonds zu folgen, sollte Thailand besser seinen eigenen Weg einer nachhaltigen Entwicklung finden, wie er vom König in seiner "Neuen Theorie" beschrieben worden ist.

Botschafter Kasit Pirom teilte die von Dr. Sanders vertretene Einschätzung in vielerlei Hinsicht. Vor allem, sagte er, wünschen die Thais eine verlässlichere und effektivere Regierung als die bisherigen Regierungen.


Seine Exzellenz Kasit Pirom, Botschafter Thailands

Er beschrieb die Situation Thailands als eine "Sandwich Situation", als die eines sich entwickelnden Landes, dass sich irgendwo zwischen den unterentwickelten und den entwickelten Ländern befindet. Thailands Industrie kann einerseits noch nicht mit den Industrien der hochentwickelten Länder konkurrieren und andererseits kann das Land auch nicht mehr mit den viel ärmeren unterentwicklten Ländern um den Status eines Billiglohnlands als verlängerte Werkbank der westlichen oder der japanischen Industrie konkurrieren.

Eine Lösung könnte darin bestehen, den landwirtschaftlichen Sektor in Richtung auf eine effektive Agroindustrie zu entwickeln und gleichzeitig die exportorientierten Nahrungsmittelindustrien zu entwickeln. Er betonte insbesondere die Notwendigkeit der Professionalisierung und Modernisierung der Ausbildung, der Verwaltung und des Managements in Thailand.

Wenn die Gespräche und die Vereinbarungen mit den internationalen Institutionen wie der Welthandelsorganisation und dem Internationalen Währungsfond besser und mit einem professionelleren Management vorbereitet und durchgeführt würden, könnte Thailand erfolgreicher darin sein, seine Positionen einzubringen und seine Interessen zu verteidigen.

Saisuda und John Pohl, (c) thailife.de, all photos: KhunJohn

 

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